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#20

MARIA LASSNIG (1919–2014) // „Balken im Auge/Trauernde Hände“, 1964

Öl auf Leinwand, 77 x 115 cm

Zurzeit: Hamburger Kunsthalle

In wenig bekannten, eindrucksvollen Bildern verbindet die international renommierte Künstlerin Maria Lassnig den persönlichen Verlust durch den Tod ihrer Mutter mit einer grundlegenden Verunsicherung und Infragestellung ihrer künstlerischen Schaffenskraft.

Was Lassnig so besonders macht, ist ihre Behandlung des weiblichen Körpers als eine Art performatives Terrain oder performativer Raum. Sie arbeitet nach dem Gedächtnis, liegt am Rand der Leinwand oder sitzt in ihrer Mitte. Man hat es hier mit Ansätzen einer poetischen Verräumlichung zu tun, wie man sie auch bei Carolee Schneemann, Valie Export oder Bruce Nauman findet. Lassnig macht die genau richtigen Einsätze beim Spiel um die zeitgenössischen Möglichkeiten der Malerei, sich neue Gebiete der Innerlichkeit zu erschließen. (Zit.: Mark Sadler, Deichtorhallen, Hamburg)

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#19

ANNE COLLIER // „Woman Crying (Comic) #8” 

C-Print, 126 x 150 cm, 2019

HamburgerKunsthalle // „Trauer“ //  bis 3. Juni 2020

Weinende Frauen sieht man in der Kunst oft – doch wurde diese Tradition in der Moderne von Männern etabliert. Bei Colliers Frauen könnte man deshalb an Picassos berühmtes Gemälde „Weinende Frau“ oder Roy Lichtenstein denken, der seine Weinenden oft als girls bezeichnete.

Trotzdem kann man Colliers Fotografien nicht damit vergleichen. Die New Yorker Künstlerin nähert sich ihren Motiven anthropologisch und geht ganz anders mit dem Bild der Frau um. Allein anhand der abfotografierten Details bekommt man etwa eine Ahnung vom konservativen Milieu der Comics.

Die konzeptuellen Arbeiten von Anne Collier basieren vorwiegend auf gefundenen Materialien aus der Popkultur der 1970er- und 1980er-Jahre; auf Fotos aus Magazinen, Werbebildern, Plattencovern, Buchseiten oder Filmstills. Indem sie die Druckerzeugnisse abfotografiert und diese in neue Kontexte setzt, gelangt Collier zu einer reflektierten Archäologie der Gebrauchsweisen der Fotografie. Dabei interessieren sie vorwiegend jene Bilder, die durch eine emotionale Bildsprache charakterisiert sind: Wellen, Augen, Wolken sowie Fotografien eines romantisierten Sexismus. Mit analytischer Eleganz reflektiert Collier das trügerische Bild, das unseren Alltag prägt und legt dabei die Spannung zwischen dem Abgebildeten und dem Akt des Fotografierens offen.

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#18

BERLINDE DE BRUYCKERE // „Lost“ (2014)

Ausstellungsansicht: Stedelijk Museum voor Actuele Kunst, Gand / Gent

Die belgische Künstlerin schildert in einem zeitlosen Moment die Qualen der sterbenden Pferde.

Schockiert und gleichzeitig inspiriert von Bildern gequälter und verendeter Pferde auf den Schlachtfeldern ihrer Heimat im ersten Weltkrieg, hat sich Berlinde de Bruyckere mehr als 10 Jahre lang mit dem Pferdekörper als Sinnbild und Projektionsfläche ihrer Auseinandersetzung mit Leid, Schmerz und Vergänglichkeit beschäftigt.

Lebensgroß an brachialen Eisengestellen hängend, vermitteln uns die offensichtlich malträtierten, teilweise verstümmelten Pferde Objekte einerseits den Schrecken und das Leid des Krieges, andererseits findet sich der Betrachter mit dem eigenen Schmerz, dem eigenen Leid konfrontiert und zur Auseinandersetzung damit aufgefordert.

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#17

MAURIZIO CATTELAN // „All“ (2007)
Marmor
Ausstellungsansicht:  Kunsthaus Bregenz //  Kurator: Rudolf Sagmeister
Foto: Markus Tretter // © Maurizio Cattelan, Kunsthaus Bregenz

„Im zweiten Stock hat Cattelan das Thema der kollektiven Katastrophe des ersten Stockes wieder aufgenommen.

In Marmor ausgeführt, hat er mit Leinen bedeckte Leichname fein säuberlich aufgereiht. Klassisch anmutende Grabskulpturen, die einerseits durch ihre schönen Formen bestechen und andererseits eindringlich auf die unentrinnbare Möglichkeit des Todes verweisen. Die Liftausgänge sind grau verhüllt, die Temperatur heruntergefahren, es entsteht so der Eindruck einer Grabkammer, die dem Betrachter unwillkürlich die Endgültigkeit des Todes vor Augen stellt.“ (Zit.: Artmagazin, Wolfgang Olz)

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#16

JASPER JOHNS // “Flags 1” (1973)

Siebdruck auf Papier, 69.9 × 90 cm

National Gallery of Art, Washington, D. C.

Die Verunsicherung, die von Johns-Bildern ausgeht, muss von Anfang an stark gewesen sein, ebenso stark aber ihre Faszination. Als Robert Rauschenberg, damals Ateliernachbar von Johns, 1957 den Galeristen Leo Castelli in das Atelier seines Kollegen führte, empfand der Besucher die Werk-Kollektion aus Fahnen- und Zielscheiben-Bildern, auch gemalten Ziffern und Alphabeten, als „das Unglaublichste, das ich im Leben gesehen habe“.

Fast nebenbei wird er so zum Wegbereiter der Pop-Art. Eine patriotische Aussage seien die Fahnen nie gewesen, stellt der Künstler später klar. Nur praktisch. „Ich musste das Motiv nicht mehr entwerfen.“

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#15

ALBRECHT DÜRER (1471 – 1528) // „Landschaft mit Kanone“ (1518)

Eisenradierung; Büttenpapier (rohweiß); Höhe-Blatt: 22,3 cm; Breite-Blatt: 32,3 cm; Höhe-Platte: 22,1 cm; Breite-Platte: 32,3 cm;

Zurzeit: Albertina Wien

Die großformatige Eisenradierung ist vor allem eine eindrucksvolle Landschaftsdarstellung. Im Vordergrund bildet Dürer eine kuriose Szene ab, die eine Begegnung zwischen Orient und Okzident darstellt.

Die Artillerie hatte seit der ersten großen Nutzung in den Hussitenkriegen (1419-1436) und durch Sultan Muhammad II vor Konstantinopel 1453 v.a. an Beweglichkeit der Feldgeschütze und durch die Herstellung von geschmiedeten glatten Eisenrohren variablen Geschossen gewonnen. Mit so genannten Kartätschen also Büchsen, die mit Kugeln, gehacktem Blei, Eisen, Nägeln u. Ä. gefüllt waren, konnten mit einem einzigen Schuss mehr als 20 Mann getötet werden. Das gezeigte Modell war um 1518 schon veraltet und könnte aus dem Nürnberger Zeughaus stammen, um die Wehrhaftigkeit zum Ausdruck zu bringen. Im Vordergrund begegnen sich osteuropäische Honoratioren mit Kopfbedeckungen, die an osmanische oder ungarische Herkunft gemahnen und das Geschoss offensichtlich beurteilen. Eher nachdenklich ist hier der Hinweis auf mögliche Kriege der friedlichen Landschaft entgegengestellt.

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#14

ROBERT LONGO // “Study for Bombing Baghdad” (2007)

Centre Pompidou // Sammlung Guerlan

Tinte und Kohle auf Velin, 40 x 52 cm

Robert Longo ist ein Maler der Chiaroscuro-Technik, in der ein extremer Kontrast von Licht und Dunkelheit für intensive Emotionen steht. Für seinen Zeichenprozess projiziert er oft ein vergrößertes Foto und arbeitet dann feine Details ein. Trotz dieser fotografischen Grundlage wirkt seine Arbeit bei näherer Betrachtung beinahe abstrakt.

Es geht dem Künstler nicht um den Ausdruck eines individuellen Gefühls, sondern um das Aufzeigen von gesellschaftspolitischen Zusammenhängen und Machtgefügen.

Seit 9/11 und mit Beginn des Irak-Krieges wird dies in seiner Motivauswahl noch deutlicher. Longo fing damit an, die ungeheure Gewalt von Bomben in seinen Zeichnungen auszudrücken. Zuerst stellte er Pilzwolken nach Atombombenexplosionen dar, die in ihrer trügerischen Schönheit Naturphänomene gleichen. Später waren es Zeichnungen, die die Bombardierung von Städten zum Thema haben

Mit seiner Darstellung des Kapitols und der amerikanischen Flagge, widmet er sich nationalen Symbolen, die als solche stark polarisieren.

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#13

Lucio Fontana, Pirelli Hangar Bicocca, Milano, 2017

LUCIO FONTANA  (1899 – 1968) // „Ambiente spaziale con neon“ (1967)

Zurzeit: Hauser und Wirth, Los Angeles

Die “Ambienti spaziali” sind Räume oder Gänge, die Lucio Fontana bereits ab Ende der 1940er Jahre realisierte. Nach Ende der jeweiligen Ausstellungen wurden sie meistens zerstört. Es sind die experimentellsten, aber wegen ihres ephemeren Charakters die am wenigsten bekannten Arbeiten, die zur Weiterentwicklung der Conceptual Art führten.  Einige Räume wurden, zum ersten Mal seit dem Tod des Künstlers, von der „Fondazione Lucio Fontana“ rekonstruiert.

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#12

WERKBUCH 5 // “Fremdes Brot” (1999) // Hipp-Halle, Gmunden, Österreich

Video, Videografik: Masoud Razavy Pour // Scan: Harald Polt

“Solid plates of iron are perfectly situated in the ancient huge hall of this historical building. The archaic construction of the building, offset by massive fastenings with hemp ropes and sickles, suggests the principles of war, concurrent with the one now raging in Kosovo. The terrible balance between the elemental forces at work in this installation threaten the viewer with a sense that a breakdown can occur at any and every moment.” (Pressrelease, Exploratorium, San Francisco)

>> Deutsche Beschreibung, Salzkammergut Zeitung

>> ORF // Landesstudio Oberösterreich (1999)

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#11

KÄTHE KOLLWITZ (1867-1945) // „Frau mit totem Kind“ (1903)

Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel und Vernis mou mit Durchdruck von Büttenpapier und Umdruckpapier, mit goldfarbenem, gespritztem Tonstein.

(Bildmaße: 42,2 cm x 48,6 cm)

Das dargestellte Kind ist der jüngste Sohn Peter Kollwitz im Alter von 7 Jahren. 1914 war ihr Sohn Peter in der Ersten Flandernschlacht gefallen. Dieser Verlust brachte sie in Kontakt mit dem Pazifismus und mit der sozialistischen Bewegung. Ihrer Meinung nach hat Kunst die Aufgabe, die sozialen Bedingungen darzustellen.

Im Zuge ihrer Arbeit am sechsten Blatt des Bauernkriegszyklus‘ entwickelt Käthe Kollwitz in mehreren Zeichnungen zu »Frau mit totem Kind« eine Arbeit, die sie schließlich nicht für den Zyklus verwendet, sondern in Form der Farblithographie »Pietà« und dieser Radierung als Einzelblätter veröffentlicht. Beide gehören zu den eindringlichsten Bildschöpfungen der Künstlerin.

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