kunst im sakralraum

Für pfingstART 2023 erweitert installative Kunst den Sakralraum in der Basilika am Weizberg.

Die Künstlerinnen Veronika Dreier und Anna Jenner und der Künstler Walter Kratner sind am 7. Mai anwesend. Eine kurze Einführung und offene Kunstgespräche mit den Künstler_innen geben einen Einblick in die Intentionen und Entstehung der im Kirchenraum und Kulturkeller ausgestellten Werkgruppen. Die diskursive Atmosphäre der Matinee lädt zu Fragen, die sich um die Kunstwerke eröffnen.

In einer Preview wird Anna Jenner über das Phänomen des „Wartens“ reflektieren und zum Thema erstmals durch ihre skulpturalen Arbeiten im Kulturkeller des Weizbergs führen.

Anna Jenner | „Warten“

Sitzende, Stehende, Menschen in Gruppen modelliert aus Ton – gewachsene Gestalten aus strengen Formen, verhaltenem Ausdruck, realistisch, im Materialton oder bemalt – Bilder eines Alltags.

Die alten schwarzen Gestalten führen in meine Kinderzeit. Die alten Frauen im Burgenland, bekleidet mit ihrem schwarzen Kitteln, einem schwarzen Kopftuch, meist hatten sie keine Zähne mehr im Mund, wie auch meine Großmutter – und sie saßen und saßen….

Sie waren das Zentrum, um sie bewegten sich alle anderen, Tanten, Onkel, meine Mutter und vor allem, viele Kinder. In meiner Erinnerung waren diese Frauen ein Sinnbild für „Warten“.  Wartende Frauen. Dieses Thema begleitete mich noch lange. Viele Plastiken entstanden, jetzt sind es Frauen von heute. Die Gestaltung wurde abstrakter. (Zit.: Anna Jenner über ihre Werkgruppe „Warten“, 2023)

Zur Person Anna Jenner (*1948, Frauenkirchen, Bgld.): Ihrem Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien folgten in den 70er und 80er Jahren Stipendien und Arbeitsaufenthalte in Frankreich, Rom und Berlin. Neben ihrer Tätigkeit als Kunsterzieherin bestritt Anna Jenner bis heute zahlreiche Ausstellungen mit Skulpturen, Malerei und Grafik unter anderem in Berlin, München, Porto, Wien und Graz.

Veronika Dreier | Objekte

Zur Person Veronika Dreier (*1954, Voitsberg, Österreich): Seit den frühen 1970er-Jahren versteht die Künstlerin Kunst als soziale Strategie, sie thematisiert die gesellschaftliche Stellung der Frau sowie ihre Repräsentation im öffentlichen Raum und in den Medien.

Stark der Literatur zugeneigt mitbegründet sie 1981 die feministische Kulturzeitschrift Eva & Co in Graz. 1992 wird die Zeitschrift bewusst eingestellt, um nicht als Alibi für konservative Kulturpolitik herangezogen zu werden. Gemeinsam mit anderen Künstlerinnen ruft sie die Stadt Graz zum „intergalaktischen Zentrum für Superfrauen“ aus und schafft 1988 zusammen mit Eva Ursprung das Leitmotiv der Grazer Frauenszene: Superwoman. 1994 erhält sie das Österreichische Staatsstipendium für Bildende Kunst. 1996 installiert sie in Graz die monumentalen Ziffern 671160 aus poliertem Edelstahl im öffentlichen Raum, um auf die Notwendigkeit eines Frauennotruf-Dienstes hinzuweisen und Gewalt an Frauen an die Öffentlichkeit zu bringen und zu thematisieren. 2000 gründet Dreier den spartenübergreifenden und interdisziplinären Kunstverein Baodo, für dessen Arbeit sie 2009 den Menschenrechtspreis des Landes Steiermark erhält.

Walter Kratner | „Jakobs Schlaf“

Zur Kunstrichtung des Barock im 17. und 18. Jahrhundert gehört nicht nur Opulenz, sondern heute auch das Vergänglichkeitsbewusstsein, ausgelöst durch den Dreißigjährigen Krieg.

Walter Kratner zeigt im barocken Ambiente des Sakralraumes eine großformatige Rauminstallation mit Anspielungen auf den Zusammenbruch aller Utopien. In seiner Konstruktion kippt er den biblischen Mythos einer aufstrebenden Himmelsleiter zu einem Sprungbrett horizontal ins Leere. Von der üppigen Macht des barocken Himmels scheint nur mehr ein Paar schwarze Herrenschuhe geblieben. Das Requisit einer mit Wasser gefüllten emaillierten Schüssel wirkt dabei genauso entleert und ausgelebt wie die zerbrochenen Scherben porzellanener Teller auf schwarzen Filztafeln.