schwebebalken

Eine Objektinstallation von Walter Kratner (2006 – 2018)

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FOTO 2006 | Walter Kratner, „Schwebebalken“, Allee am Weizberg

Bis 2003 stellte >> Karl Prantl (einer der wichtigsten österreichischen Bildhauer der Nachkriegszeit) für die „Allee am Weizberg“, in einer großzügigen Geste, einen seiner tonnenschweren „Steine zur Meditation“, als Leihgabe, zur Verfügung. Prantl damals, in einem persönlichen Gespräch: „…Der Stein wird auch zu Erde, wird zu Staub – aber um diese Dimension geht es mir!“ Am selben Platz (in der Baum-Allee), bis zum Frühjahr 2018: Der „Schwebebalken“ von >> Walter Kratner.

Ein über die Jahrzehnte hinweg zur Weingewinnung geschundener Pressbaum, bettete sich mit eineinhalb Tonnen Eigengewicht „wurzellos und schwebend“ auf zwei fast nicht wahrnehmbare Glastafeln.

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FOTO 2004 | Walter Kratner, „Schwebebalken“, Allee am Weizberg

2004 für einige Wochen bis spät in die Nacht beleuchtet, um obsessiv auf alle Verfallsspuren des Holzes aufmerksam zu machen, wurde das Stück Holz umrahmt von den idyllischen Birnenbäumen auf einer Anhöhe in barocker Kirchennähe.

Das Wein(trauben)motiv hatte bereits >> Hubert Schmalix mit der Neugestaltung des Altarraumes in die Weizbergkirche eingeführt und erfuhr nun mit dem „Schwebebalken“ eine überraschende, schonungslosere Fortsetzung:  Mehr als 250 kg Zink mussten die Altersrisse im Holz füllen, um die Oberfläche zu erhalten. Als ein ausgemustertes „Stück“ Leben vorgeführt, würde die alte Eiche auch in Zukunft suchen, der Witterung zu trotzen.

Die Objektinstallation löste alle angekündigten Prämissen ein: der alte Pressbaum lag als Holzkörper scheinbar schwebend auf Glastafeln und enthüllte alle „Wunden“ der Zeit durch Zinn- und Steinpassungen.

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FOTO 2004 | Walter Kratner, „Schwebebalken“, Allee am Weizberg

Mit ihrer klassischen Rationalität kam die Skulptur ohne Pathos aus, wirkte daher weder monumental noch einschüchternd. Vielmehr sorgten die mit viel Sensibilität gemeisterten Proportionen für eine Poesie des Minimalen. Tagsüber spiegelten sich in der Staffelung der Glastafeln spielerisch die organischen Formen der Grasflächen und Bäume. Sie weckten Assoziationen aus Natur und skulpturaler Formensprache. Abends beleuchtet, definierte der „Schwebebalken“ ein fast unwirkliches Zentrum in der Allee, wobei sich das Blattwerk der Birnenbäume im Himmel zu verlieren schien.

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FOTO 2004 | Walter Kratner, „Schwebebalken“, Allee am Weizberg

Für die Chronik:

2004 – 2006: Zwischen alten Birnenbäumen schärfte der Schwebebalken die Wahrnehmung des Natur-Szenarios und legte einen zentralen Ort meditativer Ruhe. Ein Jahr schwebte er so. Eines Nachts wollte man diesen Balken zu Fall bringen. Dann schwebte er jahrelang weiter, seit 2006, – auf zersplitterten Trägern aus Glas.

2018: Im Herbst 2018 vergriffen sich fremde, kunst-ferne Hände am Holz. Es wurde glatt-gerubbelt und ungelenk ohne Einverständnis des Künstlers in umgekrempelter Natur ab-deponiert. Also. Auch hier: Kein guter Ort zu sterben!

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TECHNISCHE DATEN:

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3D-Zeichnung von Günter Wiedenhofer

Pressbaum: 7.00M x 0.45M x 0.50M ; Gewicht: ca. 1500kg (wurde vor über 150 Jahren in der Weizbergkirche zur Weingewinnung verwendet)

Glastafel:  I.50M x 1.50M x ca.0.05M

Oberflächenbearbeitung: Die vorhandenen Alterungsspuren und Sprünge im Holzbalken werden mit Zinn (ca. 250 kg) ausgegossen. Die gesamte Oberfläche wird mit Handhobbel bearbeitet. Die extreme Materialkombination (Holz und Zinnguss) zeigt im Endzustand eine Oberfläche mit abgeschliffenen Zinnadern.

Guss: Der Schmelzpunkt von Zinn liegt bei 240 Grad Celsius. Dadurch entstehen beim Ausgiessen der Fugen und Fessuren keine Verbrennungen im Holz, sondern verstärken die Haltbarkeit.

Glas: Das Glaswird mit einem Dämmungsprofil auf einem Fundament im Erdboden bruchsicher verankert.

Stein: Zylinderförmige Steinpassungen (Serpentin) treten an die Stelle der historischen „Spindeln“

Lichtquellen (spotstones): In der Nacht wird das Lichtdurch 6 Scheinwerfer aus Steinkuben (Serpentin) auf das Objekt gestrahlt. Sie verstärken den Eindruck von einem schwebenden Holzelement.

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>> Video-Langfassung

>> Walter Kratner, „Arbeitsheft“ (2004)

>> Johannes Rauchenberger, „Weizbergs Samt“

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Fery Berger, Günter Wiedenhofer (Steinmetzmeister), Martin und Heidi Glawitsch (Kunsttischler), Dr. Sieglinde Gerstl, Walter Kratner, pfingstart
FOTO 2004 | Fery Berger, Günter Wiedenhofer (Steinmetzmeister), Martin und Heidi Glawitsch (Kunsttischler), Dr. Sieglinde Gerstl, Walter Kratner