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#45

WALTER KRATNER // „Hunger is the best source/Der lange Hunger” (2002/2013)

2 Porzellanteller (weiß), 1 Projektil, 17 abgeschossene Projektilhülsen (Gewehrpatronen), 2 Eisentafeln, 2 Glastafeln, Tischkonstruktion (Holz, grau lackiert, Tragelement (Vierkantholz, geölt), Handgriffe, Rollen, Auflageteil (Holz, grau lackiert, schwarze Filzeinlage, Handgriff), Dim.: 270 x 75 x 75 cm

Zu sehen bei >> „Parallel Vienna“ (2020)

Walter Kratners Installation „Der lange Hunger“, eine Art Tisch, hinterlässt in seinen einzelnen Elementen bloß den Eindruck einer Funktion. An den Griffen lässt sich nichts halten und die Stabilität von Metall trügt. Tatsächlich handelt es sich um standardgrau lackiertes, leichtes Holz.

Es wird kredenzt, jedoch keine Armensuppe, sondern preisgünstigere Patronenhülsen, – abgeschossenes und scheinbar scharfes Material. Was bleibt, ist ein letztes Projektil für den finalen Todesschuss. Hier wird nicht der lange Hunger gestillt, sondern perfide Abhängigkeiten als bleibende Ressourcen für das ewig vitale Geschäft mit dem Tod geschaffen. (Zit.: Ina Hof, Kuratorin)

(…) Ausgehend von Impulsen der arte povera und des Designs ist er am Form-Vokabular des Alltäglichen auch in seinen installativen Mobiliar-Konstruktionen orientiert, so dass sich dieses Mobiliar auch als künstlerische Reflexion der Design-Ästhetik lesen lässt. Dies zeigt sich primär in jenen Installationsarrangements, die ihre ursprünglichen Formen in alltäglichen Stühlen, Tischen oder Kleiderkästen haben und in skelettartige Konstruktionen transformiert werden, so dass sie ihre genuine Funktionalität nur mehr rudimentär andeuten und so ihren Gebrauchswert verlieren. Seltsame Reste vermeintlicher Funktionalität wie Griff-Beschläge oder Drehräder verbleiben als Indizien ehemaliger Gebrauchs-Funktionen. (Zit.: Erwin Fiala, Medienwissenschaftler)

ZU SEHEN AB 22. SEPTEMBER BIS 27. SEPTEMBER | >> PARALLEL VIENNA |

Für >> STYRIAN ART FOUNDATION // “Heterotopia 607”

Künstler_innen: Renate Krammer, Walter Kratner, Tanja Prušnik, Alfred Resch, Axel Staudinger, Ina Hof (Kuratorin)

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>> SIEHE AUCH: PRESSESTIMMEN:  >> Die Presse-Print | >> Die Presse-online | >> Die Woche-online

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | „Der lange Hunger“ | Basilika am Weizberg 2016

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#43

WALTER KRATNER // Installationsfragment „Lampedusa 2 / Fragment“ (2015/2019)

Material: Schublade (Holz, geölt), Holz (grau, lackiert), luftgetrockneter Kadaver einer Ratte, Glastafel (ca. 50x60x30cm), Buch, diverse Schraubenzwingen (verrostet, alt); schwarzer Filz (2 x 2 Meter)

Zu sehen von Samstag, 12. September bis 20. September 2020 im Kulturstock 3, Pischelsdorf

Aus seiner Objektinstallation >> „Lampedusa“ (2015) hebt der Künstler 2020 den luftgetrockneten Tierkadaver einer Ratte für ein neues Installations-Fragment gesondert hervor.

Ratten als Metapher können vor allem für die Dehumanisierung von Juden auf eine lange kulturhistorische Tradition verweisen, und dies nicht nur im Sprachgebrauch, sondern auch in bildlichen und filmischen Darstellungen (vgl. z.B. den nationalsozialistischen Propagandafilm „Der ewige Jude“ des Regisseurs Fritz Hippler und seines Drehbuchautors Eberhard Taubert). In dieser Funktion sind sie eng mit dem metaphorisch genutzten Konzept zu Parasit assoziiert.

Das Motiv der Ratten steht 1911 auch in Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Bühnenstück für die Unterhöhlung der wilhelminischen Gemütlichkeit durch die Moderne. In Arbeiterbewegung, Sozialdemokratie und Gewerkschaften sah das konservative Establishment gefährliches Ungeziefer, das es um jeden Preis zu vertilgen galt.

Die Verwendung der Ekelmetapher im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik in einer österreichischen Regionalzeitung („Süd-Ost Journal“ vom 27.12.2018), bewog den Künstler zu dieser neuen Ausstellungspräsentation von „Lampedusa“ in fragmentarischer Form.

FOTO: Galerie Reitbauer

>> ZITAT: Österreichischer Presserat (19. April 2019)

Wien (OTS) – Nach Meinung des Senats 1 des Presserats verstößt der Artikel „Mit spitzer Feder“, erschienen im „Süd-Ost Journal“ vom 27.12.2018, gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Im Artikel kommentiert der Chefredakteur des „Süd-Ost Journal“ u.a. die Flüchtlingssituation im Jahr 2015 und geht dann auch noch auf Kriminalitätsprobleme in Wien ein. In einer Passage heißt es: „Die Stadt Wien, die einstige Hochburg der Monarchie ist auf dem Wege zur kriminellen Hauptstadt des Staates Österreich. Wie die Ratten hausen sie da, die illegal nach Österreich Eingedrungenen.“

Der Senat betont zunächst, dass Tiermetaphern für Personengruppen aus medienethischer Sicht grundsätzlich abzulehnen sind. Tiermetaphern wie „Wanzen“, „Ungeziefer“ oder „Schweine“ wurden bereits von den Nationalsozialisten benutzt, um Minderheiten, politische Gegner und Straftäter zu entmenschlichen. Auch die im vorliegenden Fall verwendete Tiermetapher („Ratten“) wurde in der NS-Zeit für bestimmte Personengruppen gezielt eingesetzt, so der Senat weiter. Derartige Metaphern sind zwangsläufig von Vernichtungsfantasien begleitet; „Ratten“ dürfen ausgerottet werden. Dieser menschenunwürdige Begriff diskreditiert die Gruppe der Flüchtlinge als solche. Der Senat bewertet die Verwendung des Wortes „Ratten“ für eine Personengruppe sohin als Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung (Punkt 7 des Ehrenkodex) und fordert die betroffene Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen.

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Zu sehen im Rahmen der Ausstellung „das Wesen Tier in der Zukunft“ im Kulturstock 3 in Pischelsdorf, Österreich

Teilnehmer_innen: Gertraud Enzinger, Elisabeth Gschiel, Christine Guttmann, Christian Kammerhofer, Michaela Knittelfelder-Lang, Sylvia Kölbl, Walter Kratner, Nina Markart, Gertraud Ranegger, Andrea Sadjak, Valerie Varga, Susanne Wechtitsch

Einführung: Roman Grabner, Leiter des Bruseum am Universalmuseum Joanneum Graz // Samstag, 12. September 2020 // 19:00

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>> ALLE INFOS // DATEN UND AUSSTELLUNGSZEITEN

>> VIDEO „Lampedusa“ (2015) | Realisierung: Masoud Razavy Pour

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#30

pfingstART ONLINE 2020 // KURZE VIDEOS

WALTER KRATNER // „Nach der Jagd“

Der tödliche Umgang mit dem Dasein.

Ein Fußbad mit wohltemperiertem Wasser dient eigentlich der Entspannung, fördert die Durchblutung und reinigt die Füße. Im Gegensatz zum christlichen Ritualgehabe, wäscht sich in diesem Kurzvideo ein Mann selbst die Füße mit Kernseife und spricht eine Textstelle aus Thomas Bernhards Bühnenstück „Die Jagdgesellschaft“.  

Man hört eine halluzinierte Rückblende mit verstörenden Elementen aus einer Lebensgeschichte. Karge Sprach-  und Bildfragmente über kranke Bäume, einer Jagdtrophäe und erfrorenen Soldaten bilden den Nährboden für einen kurzen Monolog. Zur Waschung nach der Jagd wurde die angeschmutzte „Heimat“ in einem handelsüblichen Kopfkissen abgelegt.

(Möglicherweise blendet Walter Kratner mit den bewusst gesetzten Bildstörungen die Leichenwagen von Bergamo aus.)

„Wenn wir einen Menschen ansehen,

gleich was für einen Menschen,

sehen wir einen Sterbenden.„

(Thomas Bernhard, aus: „Die Jagdgesellschaft“)

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SIEHE AUCH: Ö1 KULTURFORUM , „Walter Kratner – Nach der Jagd“

pfingstART verzichtet im Jahr 2020 auf alle Veranstaltungen mit Publikum. Konzipiert von >> Walter Kratner und gestaltet von >> Masoud Razavy Pour läuft das Programm in mehreren Folgen und fragt: „Was.Wäre.Wenn?“

>> WEITERE KURZE VIDEOS VON: Kornelia Strahlhofer ( >> BLOG 25) | Stefanie Brottrager (>> BLOG #26) | Barbi Markovic (<< BLOG 27) | Franzobel ( >> BLOG 28) | Klaus Paier & Asja Valcic (>> BLOG 29) | Walter Kratner ( >> BLOG 30) | Igmar Jenner ( >> BLOG 31)

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#22

WALTER KRATNER // „Bagdad, 12. Juli 2007“

Ein Bildblock in Öl und Graphit auf Fotografie auf Papier (10 Bildtafeln, 30×40 cm)

Kunst Off Space | „Narrenkastl“, Frohnleiten (>> google map)

Vom 1. Mai bis zum 31. Mai 2020 ist der Schaukasten in der Passage am Hauptplatz in Frohnleiten täglich rund um die Uhr frei zugänglich.

Im gläsernen Schaukasten des „Narrenkastl“ sind 10 überarbeitete und grafisch leicht verfremdete Bildtafeln (>> siehe 3 Einzelbilder) aus einer dokumentarischen Filmsequenz zu sehen. Mit diesem mehrteiligen Bildblock erinnert der Konzept-Künstler Walter Kratner an die Veröffentlichung von Videomaterial, das die Ermordung von 25 Zivilisten während eines amerikanischen Hubschrauber-Angriffs im Irakkrieg 2007 zeigt.

Erregen im Allgemeinen bewegte Bilder wesentlich mehr Aufmerksamkeit, als jegliches gedrucktes Material, ermöglichen die hier ausgestellten „Stills“  einen zweiten, künstlerisch verlangsamten Blick auf die Ermordung von Menschen durch Luftangriffe. Es ist ein erstarrter „Tod“, den der Künstler darstellt. Dick verrinnende, blau-schwarze Ölfarbe schwappt zudem vom Bildrand über die einzelnen Aufnahmen. Walter Kratner verfremdet die „Jagdszenen“, das Bildmaterial der US-Militärs zu einem langen, kalten Blick auf das reale Geschehen einer Kriegshandlung, die in Sekundenbruchteilen mit einem Massaker endete.

Die Veröffentlichung des Videos „Collateral Murder“ im Jahr 2010 führte zur Verhaftung Chelsea Mannings und zu Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen Julian Assange. Doch die Kriegsverbrechen, die das Video aufdeckte, brachten sonst niemanden in Schwierigkeiten.

Kuratorin: Ulli Gollesch

ANMERKUNG ZUR FARBE PREUSSISCH-BLAU:

Von den Rändern der Bilder rinnt dickflüssig über die überarbeiteten Fotografien des Bild-Zyklus preußisch-blaue Ölfarbe.

Preußisch Blau enthält chemische, giftige Bestandteile, die auch zur Herstellung von Zyklon B verwendet wurden. So ist die Schönheit der Farbe Blau auch mit Blausäure und mit dem Zylon B zumindest verwandt.

>> SIEHE AUCH: Kai Kupferschmidt „Buch über Blau“ / „Blaue Säure

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SIEHE AUCH: >> BezirksREVUE, Graz-Umgebung, Mai 2020 | >> Kronenzeitung, „Fenster zum Krieg“ |

>> ZUM INFO_FOLDER

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#2

CEIJA STOJKA  (1933 – 2013) // „Mama wach auf. 1944“

Zurzeit: Museo Reina Sofia, Madrid // bis 23. März 2020

Ihre Werke dokumentieren die Verfolgung der Sinti und Roma während des Zweiten Weltkriegs. „Es sind Bilder aus der Perspektive eines Kindes, das in Wirklichkeit eine erwachsene Frau ist, die sich an ihr Leben in einem Konzentrationslager erinnert. Aus dem Blickwinkel des kleinen Mädchens werden die Stiefel der Soldaten riesig groß und die Hunde zur Bedrohung.“ (Zit.: Manuel Broja-Villel)

Siehe auch:

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