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#67

RONI HORN // Ein Blatt aus der Bildserie “LOG (March 22, 2019-May 17, 2020)”

Zeichnung  (ca. 22x28cm)

2019 begann Roni Horn die Log-Bildserie über ihre Gefühle. Ungewollt wurde sie eine Hommage an Daniel Defoes Buch  “A Journal of the Plague Year”, das 1722 in London erschien. Defoe berichtet darin von der Pest, als sie zum vierten Mal im 17. Jahrhundert die Stadt an der Themse heimsuchte. Vermutlich dienten Defoe die Aufzeichnungen seines Onkels, der die Pest hautnah miterlebt hat, als Grundlage. Es sollte die verheerendste Pest-Epidemie auf den Britischen Inseln seit der Mitte des 14. Jahrhunderts  werden. London glich einem Hexenkessel. Quacksalber und Beutelschneider nutzten ungeachtet der puritanischen Sittenstrenge die Gunst der Stunde, um die Not der Menschen in klingende Münze zu verwandeln. Hysterischer Aberglaube, verheerende Arbeitslosigkeit, Lug und Trug waren die Begleiterscheinungen eines Massensterbens, dem rund 100.000 Menschen zum Opfer fielen.

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#65

PROPERIZIA DE`ROSSI (1490 – 1530) // „Josef und die Frau des Potiphar“  (1525–26)

Flachrelief an der Westfassade der Basilika San Petronio, Bologna

Properzia de’Rossi wurde in Bologna als Tochter eines Notars namens Giovanni Martino Rossi da Modena geboren. Als Frau der Renaissance studierte sie Malerei, Musik, Tanz, Poesie und klassische Literatur an der Universität von Bologna, die seit der Gründung Frauen zum Studium zuließ. Außerdem erhielt sie eine Ausbildung beim Meistergraveur Marcantonio Raimondi.

De ‚Rossi war eine von etwa 40 Künstlerinnen, hauptsächlich Malerinnen, die der italienischen Renaissance zugerechnet werden. Bildhauerinnen waren  besonders selten, denn die Bildhauerei galt eigentlich als männliche Domäne. Die „Vita“ der Poperzia de’ Rossi ist eine bemerkenswerte Ausnahme. Sie war eine von vier Frauen, die in Giorgio Vasaris „Leben der Künstler“ aufgenommen wurde, weil er ihre Biografie zu den bekanntesten „Künstlern“ der letzten Jahrhunderte zählte. Obwohl er ihre frühen detailreichen Klein-Skulpturen aus Pfirsich- und Kirschsteinen als „wunderbar“ bezeichnete, war sein Kommentar zu de’Rossis Werk klar: Bildhauerei ist keine Kunstform, die Frauen versuchen sollten. Vasaris Behauptung ist wahrscheinlich auf seinen apokryphen (quasibiblischen) Glauben zurückzuführen, dass Frauen dazu neigten, von Melancholie überwältigt und behindert zu sein und ihrer „romantischen, weiblichen“ Natur nicht entkommen zu können.

Um die dreißig Jahre alt, bekam Properzia de’ Rossi die Möglichkeit im größeren Maßstab zu arbeiten. Durch ihre sorgfältig gearbeiteten Porträtbüsten aus Marmor konnte sie gegen männliche Konkurrenten öffentliche Aufträge erlangen, darunter auch den für den Hochaltar von Santa Maria del Baraccano in Bologna. Auch die Westfassade der Basilika San Petronio wurde von ihr gestaltet, Hier befindet sich eine ihrer bekanntesten Reliefskulpturen: „Josef und Potiphars Frau“ (1525–26). Das Thema der Flucht Josephs vor seiner Verführerin war am Beginn der Gegenreformation ein wichtiges Thema und vermittelte die Gefahren der Unmoral, die mit der weiblichen Natur verbunden sind. Hier zeigt de’ Rossi die künstlerische Fähigkeit, Heldenfiguren in einem breiten und dynamischen Stil zu arrangieren, der für die Reliefskulptur der italienischen Renaissance charakteristisch ist.

De ‚Rossis Leben wurde als turbulent beschrieben. Darüber hinaus ist wenig über ihr Leben und ihre künstlerische Leistung nach ihrem  Petronio-Relief bekannt. Es gibt jedoch Unterlagen über Schulden bei einem Krankenhaus, in dem sie als Opfer der Pest im Jahr 1529 behandelt wurde. Das erklärt vielleicht das Ausbleiben weiterer  Werke. Während de ‚Rossi wichtige Aufträge in ihrem Leben gewann, starb sie, bevor sie vierzig wurde, bankrott und ohne nahe Verwandte oder Freunde.

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#64

SARA VAN BAALBERGEN (1607 – nach 1638)

Über das Leben der zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Haarlem geborenen Sara van Baalbergen, ist wenig bekannt. Als gesichert gilt, dass sie 1631 in die St.-Lukas-Malergilde in Haarlem aufgenommen wurde, der bis dahin nur Männer angehörten. Insgesamt sind nur drei niederländische Künstlerinnen als Zunftmitglieder bekannt. Sie mussten einen sehr strengen Zulassungstest bestehen. Juden wurden kategorisch von jeder Gilde ausgeschlossen.

Van Ballbergen war in der Zeit von 1634 bis 1638 als Zunftmitglied registriert, was bedeutet, dass sie als offizielle Künstlerin anerkannt war und bereits öffentlichen Ruhm genoss. 1634 heiratete sie den Genremaler Barent van Eysen, dessen  Biografie ebenfalls unklar ist. 1638, nach dem Tod ihres Ehemannes, verliert sich die Spur von Sara van Baalbergen. Werke sind nicht überliefert.

Die Zuordnung ihrer Werke ist deshalb schwierig, weil sie nach der Heirat mit ihrem Ehemann zusammengearbeitet hat, der die verschiedenen Werke allerdings selbst signierte. Es scheint, dass Sara van Baalbergen auf Stillleben spezialisier war. Ihre Blumenkompositionen, als auch Kompositionen mit verschiedenen Gegenständen, scheinen an die Lehren des Vincente van der Vinne (1628–1702) angelehnt gewesen zu sein. (SIEHE BILD-BEISPIEL, AUSSCHNITT / Van der Vinne zugeschrieben)

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#63

JUDITH LEYSTER (1609 – 1660) //  „Der Vorschlag“ (1631)

Öl auf Leinwand (30,9 x 24,2 cm) // Mauritiushuis, Den Haag

Judith Leysters Werk umfasst Porträts, Stillleben, Allegorien, botanische Zeichnungen und mindestens eine Radierung. Am markantesten sind jedoch ihre Genrebilder, in denen sie in kleinen, intimen, kerzenbeleuchteten Szenen Themen des täglichen Lebens darstellte. In ihren Bildern sind meist ein oder zwei Personen zu sehen, wobei Kinder zu ihren bevorzugten Modellen gehörten. Ihre Motive sind Jungen, die Flöte, Laute oder Violine spielen, Mütter, die nähen oder ihren Kindern die Haare kämmen, Männer, die Frauen verführen, Falschspieler oder Backgammonspieler sowie Feiernde in Gasthäusern.

Zu den meistdiskutierten Genrebildern Judith Leysters zählt „Der Vorschlag“ (1631, Den Haag). Die Szene zeigt eine stickende oder nähende Frau in einem schlichten Innenraum tief über ihre Arbeit gebeugt. Von links hinten nähert sich im Kerzenlicht ein dunkel gekleideter Herr, der mit seiner Linken die Frau an ihrem Oberarm berührt. Mit seiner rechten Hand bietet er ihr Münzen an. In der Bildkomposition nimmt er die diagonale Gegenposition der Frau ein, da er sich nach links vorne beugt. Auf dem ersten Blick strahlt das Gemälde zärtliche Intimität und Häuslichkeit aus, aber bei genauerer Betrachtung ist es eine Szene, gefüllt mit Verführung und Widerstand. Zweifelsohne ist hier ein sexuell konnotiertes Angebot wiedergegeben, da der Mann nicht für ihre handwerklichen Dienste bezahlt. Doch das ungestörte Nähen der Frau strahlt eine selbstbewusste Bestimmtheit aus. Sie scheint nicht auf das Angebot zu reagieren.

Verglichen mit ihren Künstlerkollegen, welche Angebotsdarstellungen meist mit aktiven und freizügigen Dirnen in Verbindung gebracht haben, unterstreicht Leyster keine stereotype Darstellung eines leichten Mädchens. So kann die Darstellung auch als kritische Antwort auf die Darstellung ihrer Künstlerkollegen verstanden werden.

Die feministische Lesart des Bildes stellt den weiblichen, emanzipatorischen Blick der Künstlerin auf das dargestellte Geschehnis ins Zentrum der Überlegung, während Gegenstimmen diese Genreszene in die moralisierende Tradition dieser Kunstgattung einordnen.

Obwohl Leyster und ihre Arbeit zu Lebzeiten bekannt waren und von ihren Zeitgenossen geschätzt wurden, wurden sie nach ihrem Tod weitgehend vergessen. Die Künstlerin wurde 1893 „wiederentdeckt“, als ein Gemälde, das seit über einem Jahrhundert als Werk von Frans Hals bewundert wurde, ihr zugeschrieben werden musste. (Die Initialen „J. L.“ konnten nicht mehr übersehen werden.) Bis dahin wurde Leysters Werk als „Schwäche der weiblichen Hand“ kritisiert, während viele ihrer Bilder Frans Hals zugeschrieben wurden.

>> MEHR: JUDITH LEYSTER // „SELBSTPORTRAIT“

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#55

Internationale Tage gegen Gewalt an Frauen 2020

ARTEMISIA GENTILESCHI (1593-1654) // “Self-Portrait as the Allegory of Painting (La Pittura)

Öl auf Leinwand (98.6 x 75.2 cm) // National Gallery London

1612 wurde Artemisia vergewaltigt. Der Vergewaltiger Tassi wurde wegen „Entjungferung“ und  Nichteinhaltung eines Eheversprechens angeklagt. Die vergewaltigte Frau wird zum zweiten Mal Opfer männlicher Gewalt. Artemisia musste gynäkologische Untersuchungen bezüglich ihrer nicht mehr vorhandenen Jungfräulichkeit über sich ergehen lassen – in Anwesenheit der Richter natürlich – und wurde noch zusätzlich gefoltert. Mit angelegten Daumenschrauben (ital. „le sibille“) schrie sie in einem Kreuzverhör dem anwesenden Tassi ins Gesicht: „Dies ist der Ring, den du mir gegeben hast, und das sind deine Versprechungen!‘

Im Oktober 1612, nach achtmonatiger Verhandlungsdauer, wurde der Prozess schließlich ohne nennenswertes Ergebnis niedergeschlagen. Tassi kam auf freien Fuß, seine Karriere als Maler ging bruchlos weiter.

Ganze dreihundert Jahre musste sie darauf warten, bis sie als Künstlerin anerkannt wurde. Erst 1916 widmete ihr der italienische Kunsthistoriker Roberto Longhi eine ausführliche Studie. Am Ende war er davon überzeugt, dass Artemisia Gentileschi „die einzige Frau Italiens war, die je gewusst hatte, was Malerei und Farben sind.“

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#45

WALTER KRATNER // „Hunger is the best source/Der lange Hunger” (2002/2013)

2 Porzellanteller (weiß), 1 Projektil, 17 abgeschossene Projektilhülsen (Gewehrpatronen), 2 Eisentafeln, 2 Glastafeln, Tischkonstruktion (Holz, grau lackiert, Tragelement (Vierkantholz, geölt), Handgriffe, Rollen, Auflageteil (Holz, grau lackiert, schwarze Filzeinlage, Handgriff), Dim.: 270 x 75 x 75 cm

Zu sehen bei >> „Parallel Vienna“ (2020)

Walter Kratners Installation „Der lange Hunger“, eine Art Tisch, hinterlässt in seinen einzelnen Elementen bloß den Eindruck einer Funktion. An den Griffen lässt sich nichts halten und die Stabilität von Metall trügt. Tatsächlich handelt es sich um standardgrau lackiertes, leichtes Holz.

Es wird kredenzt, jedoch keine Armensuppe, sondern preisgünstigere Patronenhülsen, – abgeschossenes und scheinbar scharfes Material. Was bleibt, ist ein letztes Projektil für den finalen Todesschuss. Hier wird nicht der lange Hunger gestillt, sondern perfide Abhängigkeiten als bleibende Ressourcen für das ewig vitale Geschäft mit dem Tod geschaffen. (Zit.: Ina Hof, Kuratorin)

(…) Ausgehend von Impulsen der arte povera und des Designs ist er am Form-Vokabular des Alltäglichen auch in seinen installativen Mobiliar-Konstruktionen orientiert, so dass sich dieses Mobiliar auch als künstlerische Reflexion der Design-Ästhetik lesen lässt. Dies zeigt sich primär in jenen Installationsarrangements, die ihre ursprünglichen Formen in alltäglichen Stühlen, Tischen oder Kleiderkästen haben und in skelettartige Konstruktionen transformiert werden, so dass sie ihre genuine Funktionalität nur mehr rudimentär andeuten und so ihren Gebrauchswert verlieren. Seltsame Reste vermeintlicher Funktionalität wie Griff-Beschläge oder Drehräder verbleiben als Indizien ehemaliger Gebrauchs-Funktionen. (Zit.: Erwin Fiala, Medienwissenschaftler)

ZU SEHEN AB 22. SEPTEMBER BIS 27. SEPTEMBER | >> PARALLEL VIENNA |

Für >> STYRIAN ART FOUNDATION // “Heterotopia 607”

Künstler_innen: Renate Krammer, Walter Kratner, Tanja Prušnik, Alfred Resch, Axel Staudinger, Ina Hof (Kuratorin)

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>> ALLE INFOS // DATEN UND AUSSTELLUNGSZEITEN

>> SIEHE AUCH: PRESSESTIMMEN:  >> Die Presse-Print | >> Die Presse-online | >> Die Woche-online

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | „Der lange Hunger“ | Basilika am Weizberg 2016

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#43

WALTER KRATNER // Installationsfragment „Lampedusa 2 / Fragment“ (2015/2019)

Material: Schublade (Holz, geölt), Holz (grau, lackiert), luftgetrockneter Kadaver einer Ratte, Glastafel (ca. 50x60x30cm), Buch, diverse Schraubenzwingen (verrostet, alt); schwarzer Filz (2 x 2 Meter)

Zu sehen von Samstag, 12. September bis 20. September 2020 im Kulturstock 3, Pischelsdorf

Aus seiner Objektinstallation >> „Lampedusa“ (2015) hebt der Künstler 2020 den luftgetrockneten Tierkadaver einer Ratte für ein neues Installations-Fragment gesondert hervor.

Ratten als Metapher können vor allem für die Dehumanisierung von Juden auf eine lange kulturhistorische Tradition verweisen, und dies nicht nur im Sprachgebrauch, sondern auch in bildlichen und filmischen Darstellungen (vgl. z.B. den nationalsozialistischen Propagandafilm „Der ewige Jude“ des Regisseurs Fritz Hippler und seines Drehbuchautors Eberhard Taubert). In dieser Funktion sind sie eng mit dem metaphorisch genutzten Konzept zu Parasit assoziiert.

Das Motiv der Ratten steht 1911 auch in Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Bühnenstück für die Unterhöhlung der wilhelminischen Gemütlichkeit durch die Moderne. In Arbeiterbewegung, Sozialdemokratie und Gewerkschaften sah das konservative Establishment gefährliches Ungeziefer, das es um jeden Preis zu vertilgen galt.

Die Verwendung der Ekelmetapher im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik in einer österreichischen Regionalzeitung („Süd-Ost Journal“ vom 27.12.2018), bewog den Künstler zu dieser neuen Ausstellungspräsentation von „Lampedusa“ in fragmentarischer Form.

FOTO: Galerie Reitbauer

>> ZITAT: Österreichischer Presserat (19. April 2019)

Wien (OTS) – Nach Meinung des Senats 1 des Presserats verstößt der Artikel „Mit spitzer Feder“, erschienen im „Süd-Ost Journal“ vom 27.12.2018, gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Im Artikel kommentiert der Chefredakteur des „Süd-Ost Journal“ u.a. die Flüchtlingssituation im Jahr 2015 und geht dann auch noch auf Kriminalitätsprobleme in Wien ein. In einer Passage heißt es: „Die Stadt Wien, die einstige Hochburg der Monarchie ist auf dem Wege zur kriminellen Hauptstadt des Staates Österreich. Wie die Ratten hausen sie da, die illegal nach Österreich Eingedrungenen.“

Der Senat betont zunächst, dass Tiermetaphern für Personengruppen aus medienethischer Sicht grundsätzlich abzulehnen sind. Tiermetaphern wie „Wanzen“, „Ungeziefer“ oder „Schweine“ wurden bereits von den Nationalsozialisten benutzt, um Minderheiten, politische Gegner und Straftäter zu entmenschlichen. Auch die im vorliegenden Fall verwendete Tiermetapher („Ratten“) wurde in der NS-Zeit für bestimmte Personengruppen gezielt eingesetzt, so der Senat weiter. Derartige Metaphern sind zwangsläufig von Vernichtungsfantasien begleitet; „Ratten“ dürfen ausgerottet werden. Dieser menschenunwürdige Begriff diskreditiert die Gruppe der Flüchtlinge als solche. Der Senat bewertet die Verwendung des Wortes „Ratten“ für eine Personengruppe sohin als Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung (Punkt 7 des Ehrenkodex) und fordert die betroffene Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen.

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Zu sehen im Rahmen der Ausstellung „das Wesen Tier in der Zukunft“ im Kulturstock 3 in Pischelsdorf, Österreich

Teilnehmer_innen: Gertraud Enzinger, Elisabeth Gschiel, Christine Guttmann, Christian Kammerhofer, Michaela Knittelfelder-Lang, Sylvia Kölbl, Walter Kratner, Nina Markart, Gertraud Ranegger, Andrea Sadjak, Valerie Varga, Susanne Wechtitsch

Einführung: Roman Grabner, Leiter des Bruseum am Universalmuseum Joanneum Graz // Samstag, 12. September 2020 // 19:00

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>> VIDEO „Lampedusa“ (2015) | Realisierung: Masoud Razavy Pour

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#30

pfingstART ONLINE 2020 // KURZE VIDEOS

WALTER KRATNER // „Nach der Jagd“

Der tödliche Umgang mit dem Dasein.

Ein Fußbad mit wohltemperiertem Wasser dient eigentlich der Entspannung, fördert die Durchblutung und reinigt die Füße. Im Gegensatz zum christlichen Ritualgehabe, wäscht sich in diesem Kurzvideo ein Mann selbst die Füße mit Kernseife und spricht eine Textstelle aus Thomas Bernhards Bühnenstück „Die Jagdgesellschaft“.  

Man hört eine halluzinierte Rückblende mit verstörenden Elementen aus einer Lebensgeschichte. Karge Sprach-  und Bildfragmente über kranke Bäume, einer Jagdtrophäe und erfrorenen Soldaten bilden den Nährboden für einen kurzen Monolog. Zur Waschung nach der Jagd wurde die angeschmutzte „Heimat“ in einem handelsüblichen Kopfkissen abgelegt.

(Möglicherweise blendet Walter Kratner mit den bewusst gesetzten Bildstörungen die Leichenwagen von Bergamo aus.)

„Wenn wir einen Menschen ansehen,

gleich was für einen Menschen,

sehen wir einen Sterbenden.„

(Thomas Bernhard, aus: „Die Jagdgesellschaft“)

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SIEHE AUCH: Ö1 KULTURFORUM , „Walter Kratner – Nach der Jagd“

pfingstART verzichtet im Jahr 2020 auf alle Veranstaltungen mit Publikum. Konzipiert von >> Walter Kratner und gestaltet von >> Masoud Razavy Pour läuft das Programm in mehreren Folgen und fragt: „Was.Wäre.Wenn?“

>> WEITERE KURZE VIDEOS VON: Kornelia Strahlhofer ( >> BLOG 25) | Stefanie Brottrager (>> BLOG #26) | Barbi Markovic (<< BLOG 27) | Franzobel ( >> BLOG 28) | Klaus Paier & Asja Valcic (>> BLOG 29) | Walter Kratner ( >> BLOG 30) | Igmar Jenner ( >> BLOG 31)

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#22

WALTER KRATNER // „Bagdad, 12. Juli 2007“

Ein Bildblock in Öl und Graphit auf Fotografie auf Papier (10 Bildtafeln, 30×40 cm)

Kunst Off Space | „Narrenkastl“, Frohnleiten (>> google map)

Vom 1. Mai bis zum 31. Mai 2020 ist der Schaukasten in der Passage am Hauptplatz in Frohnleiten täglich rund um die Uhr frei zugänglich.

Im gläsernen Schaukasten des „Narrenkastl“ sind 10 überarbeitete und grafisch leicht verfremdete Bildtafeln (>> siehe 3 Einzelbilder) aus einer dokumentarischen Filmsequenz zu sehen. Mit diesem mehrteiligen Bildblock erinnert der Konzept-Künstler Walter Kratner an die Veröffentlichung von Videomaterial, das die Ermordung von 25 Zivilisten während eines amerikanischen Hubschrauber-Angriffs im Irakkrieg 2007 zeigt.

Erregen im Allgemeinen bewegte Bilder wesentlich mehr Aufmerksamkeit, als jegliches gedrucktes Material, ermöglichen die hier ausgestellten „Stills“  einen zweiten, künstlerisch verlangsamten Blick auf die Ermordung von Menschen durch Luftangriffe. Es ist ein erstarrter „Tod“, den der Künstler darstellt. Dick verrinnende, blau-schwarze Ölfarbe schwappt zudem vom Bildrand über die einzelnen Aufnahmen. Walter Kratner verfremdet die „Jagdszenen“, das Bildmaterial der US-Militärs zu einem langen, kalten Blick auf das reale Geschehen einer Kriegshandlung, die in Sekundenbruchteilen mit einem Massaker endete.

Die Veröffentlichung des Videos „Collateral Murder“ im Jahr 2010 führte zur Verhaftung Chelsea Mannings und zu Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen Julian Assange. Doch die Kriegsverbrechen, die das Video aufdeckte, brachten sonst niemanden in Schwierigkeiten.

Kuratorin: Ulli Gollesch

ANMERKUNG ZUR FARBE PREUSSISCH-BLAU:

Von den Rändern der Bilder rinnt dickflüssig über die überarbeiteten Fotografien des Bild-Zyklus preußisch-blaue Ölfarbe.

Preußisch Blau enthält chemische, giftige Bestandteile, die auch zur Herstellung von Zyklon B verwendet wurden. So ist die Schönheit der Farbe Blau auch mit Blausäure und mit dem Zylon B zumindest verwandt.

>> SIEHE AUCH: Kai Kupferschmidt „Buch über Blau“ / „Blaue Säure

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SIEHE AUCH: >> BezirksREVUE, Graz-Umgebung, Mai 2020 | >> Kronenzeitung, „Fenster zum Krieg“ |

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#2

CEIJA STOJKA  (1933 – 2013) // „Mama wach auf. 1944“

Zurzeit: Museo Reina Sofia, Madrid // bis 23. März 2020

Ihre Werke dokumentieren die Verfolgung der Sinti und Roma während des Zweiten Weltkriegs. „Es sind Bilder aus der Perspektive eines Kindes, das in Wirklichkeit eine erwachsene Frau ist, die sich an ihr Leben in einem Konzentrationslager erinnert. Aus dem Blickwinkel des kleinen Mädchens werden die Stiefel der Soldaten riesig groß und die Hunde zur Bedrohung.“ (Zit.: Manuel Broja-Villel)

Siehe auch:

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