Kategorien
Allgemein

#45

WALTER KRATNER // „Hunger is the best source/Der lange Hunger” (2002/2013)

2 Porzellanteller (weiß), 1 Projektil, 17 abgeschossene Projektilhülsen (Gewehrpatronen), 2 Eisentafeln, 2 Glastafeln, Tischkonstruktion (Holz, grau lackiert, Tragelement (Vierkantholz, geölt), Handgriffe, Rollen, Auflageteil (Holz, grau lackiert, schwarze Filzeinlage, Handgriff), Dim.: 270 x 75 x 75 cm

Zu sehen bei >> „Parallel Vienna“ (2020)

Walter Kratners Installation „Der lange Hunger“, eine Art Tisch, hinterlässt in seinen einzelnen Elementen bloß den Eindruck einer Funktion. An den Griffen lässt sich nichts halten und die Stabilität von Metall trügt. Tatsächlich handelt es sich um standardgrau lackiertes, leichtes Holz.

Es wird kredenzt, jedoch keine Armensuppe, sondern preisgünstigere Patronenhülsen, – abgeschossenes und scheinbar scharfes Material. Was bleibt, ist ein letztes Projektil für den finalen Todesschuss. Hier wird nicht der lange Hunger gestillt, sondern perfide Abhängigkeiten als bleibende Ressourcen für das ewig vitale Geschäft mit dem Tod geschaffen. (Zit.: Ina Hof, Kuratorin)

(…) Ausgehend von Impulsen der arte povera und des Designs ist er am Form-Vokabular des Alltäglichen auch in seinen installativen Mobiliar-Konstruktionen orientiert, so dass sich dieses Mobiliar auch als künstlerische Reflexion der Design-Ästhetik lesen lässt. Dies zeigt sich primär in jenen Installationsarrangements, die ihre ursprünglichen Formen in alltäglichen Stühlen, Tischen oder Kleiderkästen haben und in skelettartige Konstruktionen transformiert werden, so dass sie ihre genuine Funktionalität nur mehr rudimentär andeuten und so ihren Gebrauchswert verlieren. Seltsame Reste vermeintlicher Funktionalität wie Griff-Beschläge oder Drehräder verbleiben als Indizien ehemaliger Gebrauchs-Funktionen. (Zit.: Erwin Fiala, Medienwissenschaftler)

ZU SEHEN AB 22. SEPTEMBER BIS 27. SEPTEMBER | >> PARALLEL VIENNA |

Für >> STYRIAN ART FOUNDATION // “Heterotopia 607”

Künstler_innen: Renate Krammer, Walter Kratner, Tanja Prušnik, Alfred Resch, Axel Staudinger, Ina Hof (Kuratorin)

__________

>> ALLE INFOS // DATEN UND AUSSTELLUNGSZEITEN

>> SIEHE AUCH: PRESSESTIMMEN:  >> Die Presse-Print | >> Die Presse-online | >> Die Woche-online

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | „Der lange Hunger“ | Basilika am Weizberg 2016

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#43

WALTER KRATNER // Installationsfragment „Lampedusa 2 / Fragment“ (2015/2019)

Material: Schublade (Holz, geölt), Holz (grau, lackiert), luftgetrockneter Kadaver einer Ratte, Glastafel (ca. 50x60x30cm), Buch, diverse Schraubenzwingen (verrostet, alt); schwarzer Filz (2 x 2 Meter)

Zu sehen von Samstag, 12. September bis 20. September 2020 im Kulturstock 3, Pischelsdorf

Aus seiner Objektinstallation >> „Lampedusa“ (2015) hebt der Künstler 2020 den luftgetrockneten Tierkadaver einer Ratte für ein neues Installations-Fragment gesondert hervor.

Ratten als Metapher können vor allem für die Dehumanisierung von Juden auf eine lange kulturhistorische Tradition verweisen, und dies nicht nur im Sprachgebrauch, sondern auch in bildlichen und filmischen Darstellungen (vgl. z.B. den nationalsozialistischen Propagandafilm „Der ewige Jude“ des Regisseurs Fritz Hippler und seines Drehbuchautors Eberhard Taubert). In dieser Funktion sind sie eng mit dem metaphorisch genutzten Konzept zu Parasit assoziiert.

Das Motiv der Ratten steht 1911 auch in Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Bühnenstück für die Unterhöhlung der wilhelminischen Gemütlichkeit durch die Moderne. In Arbeiterbewegung, Sozialdemokratie und Gewerkschaften sah das konservative Establishment gefährliches Ungeziefer, das es um jeden Preis zu vertilgen galt.

Die Verwendung der Ekelmetapher im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik in einer österreichischen Regionalzeitung („Süd-Ost Journal“ vom 27.12.2018), bewog den Künstler zu dieser neuen Ausstellungspräsentation von „Lampedusa“ in fragmentarischer Form.

FOTO: Galerie Reitbauer

>> ZITAT: Österreichischer Presserat (19. April 2019)

Wien (OTS) – Nach Meinung des Senats 1 des Presserats verstößt der Artikel „Mit spitzer Feder“, erschienen im „Süd-Ost Journal“ vom 27.12.2018, gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Im Artikel kommentiert der Chefredakteur des „Süd-Ost Journal“ u.a. die Flüchtlingssituation im Jahr 2015 und geht dann auch noch auf Kriminalitätsprobleme in Wien ein. In einer Passage heißt es: „Die Stadt Wien, die einstige Hochburg der Monarchie ist auf dem Wege zur kriminellen Hauptstadt des Staates Österreich. Wie die Ratten hausen sie da, die illegal nach Österreich Eingedrungenen.“

Der Senat betont zunächst, dass Tiermetaphern für Personengruppen aus medienethischer Sicht grundsätzlich abzulehnen sind. Tiermetaphern wie „Wanzen“, „Ungeziefer“ oder „Schweine“ wurden bereits von den Nationalsozialisten benutzt, um Minderheiten, politische Gegner und Straftäter zu entmenschlichen. Auch die im vorliegenden Fall verwendete Tiermetapher („Ratten“) wurde in der NS-Zeit für bestimmte Personengruppen gezielt eingesetzt, so der Senat weiter. Derartige Metaphern sind zwangsläufig von Vernichtungsfantasien begleitet; „Ratten“ dürfen ausgerottet werden. Dieser menschenunwürdige Begriff diskreditiert die Gruppe der Flüchtlinge als solche. Der Senat bewertet die Verwendung des Wortes „Ratten“ für eine Personengruppe sohin als Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung (Punkt 7 des Ehrenkodex) und fordert die betroffene Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen.

__________

Zu sehen im Rahmen der Ausstellung „das Wesen Tier in der Zukunft“ im Kulturstock 3 in Pischelsdorf, Österreich

Teilnehmer_innen: Gertraud Enzinger, Elisabeth Gschiel, Christine Guttmann, Christian Kammerhofer, Michaela Knittelfelder-Lang, Sylvia Kölbl, Walter Kratner, Nina Markart, Gertraud Ranegger, Andrea Sadjak, Valerie Varga, Susanne Wechtitsch

Einführung: Roman Grabner, Leiter des Bruseum am Universalmuseum Joanneum Graz // Samstag, 12. September 2020 // 19:00

__________

>> ALLE INFOS // DATEN UND AUSSTELLUNGSZEITEN

>> VIDEO „Lampedusa“ (2015) | Realisierung: Masoud Razavy Pour

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#41

ELLEN GALLAGHER // „Dream Girl“ (2004)

Ellen Gallagher (*1965 in Rhode Island) thematisiert oft Themen der Rasse, sowie Mythologie und die Dynamik zwischen Geschichte und Gegenwart.  

Für mehrere Serien, die Ellen Gallagher in den 2000er-Jahren schuf, verwendete sie Werbeanzeigen für Perücken, Hautcreme, Seife und Shampoo aus afroamerikanischen Lifestyle-Magazinen, die einen spezifischen Augenblick der Sozialgeschichte spiegeln. Insbesondere ist es Werbung für Perücken und andere Bedarfsartikel, die afrikanischen Frauen ein verändertes — weißen Frauen angepasstes — Aussehen versprachen. Gallagher ergänzte die Bilder mit Wülsten aus gelber Knetmasse. Den Afro-Look, Symbol der Black Power, verwandelt die gezähmte Perücke in ein Zeichen der Angleichung und Anpassung.

Die „gelben Gemälde“ Double Natural (2002), Pomp-Bang (2003) und Afrylic (2004) basieren auf Bildern aus afroamerikanischen Lifestyle-Magazinen wie Ebony, Our World und Black Stars aus den 1940er- bis 1970er-Jahren. Die Bilder zeigen, wie der Afro-Look, also natürliches krauses Haar in Mode kam und für die Black Power- und Bürgerrechts-Generation ein wichtiges politisches und ästhetisches Symbol wurde. Gallagher ergänzte die Bilder mit gelber Knetmasse. Diese improvisierten Zusätze lenken die Aufmerksamkeit auf bestimmte Fragmente und lösen die Bilder aus dem historischen Kontext ihrer Entstehung

Die merkwürdigen Hauben scheinen ein Eigenleben zu führen. Sie sind den Meeresorganismen aus der utopischen Unterwasserwelt „Drexciya“ — dem schwarzen Atlantis — nicht unähnlich.

Mit ihren Gemälden untersucht die Künstlerin, wieweit die Perücke als eine Art Haut verstanden werden kann (oder umgekehrt), ob die Perücke etwas Natürliches, die Haut etwas Veränderbares ist, und inwiefern Perücken und Haut etwas im Übergang begriffenes sind.   

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#40

KIKI SMITH // “Untitled” (1995)

Braunes Papier, Methylzellulose, Pferdehaar (Dim.: 134,6 x 45,7 x 127 cm)

Eine Gekreuzigte? Ist das Verbeugung, Erschöpfung, Unterwerfung oder der nackte Protest dagegen? Es lässt sich nicht eindeutig ausmachen, die Figur hängt kopfüber. Aber ihre Hände halten die Skulptur wie angenagelt an der Wand – eine weibliche Gekreuzigte mit einer Haut aus Papier. Oder ist es doch ein Mann?

Eigentlich ist das unerheblich, denn die Skulptur erzählt „untitled“, aber ganz unmittelbar von der Verwundbarkeit und der Ausgesetztheit, der machtvollen Präsenz und der Symbolkraft des menschlichen Körpers.

Existenzielle Fragen zu Identität, Eigentum oder Kontrolle des menschlichen Körpers beschäftigen sie. Die Suche nach Antworten führt Smith in die Grenzbereiche zwischen Leben und Sterben, Kultur und Natur.

Kiki Smith wird 1954 in Nürnberg geboren. Vater Tony ist ein berühmter Künstler, Minimalist und Architekt aus dem Kreis der Abstrakten Expressionisten in den USA. Das Mädchen wächst also mit Kunst auf, interessiert sich früh für verschiedene Materialien – ihre Werke bestehen unter anderem aus Glas, Wachs, Haar, Bronze, Stoff und Papier –, sie lebt in der (Sub-)Kultur New Yorks, erlebt, wie die Aids-Epidemie die ersten Opfer fordert, darunter die eigene Schwester. Ein Kunststudium schließt sie nicht ab, dafür eine Ausbildung als Rettungssanitäterin.

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#39

WALTER KRATNER // „Celan“ (1916)

Schreibmaschine, Schriftrolle, Alu-Leiter, 3 Bajonette (ca. 250 x 130 x 100 cm)

Zu sehen: 1. bis 22. August, GerberHaus, Fehring, Österreich

„… wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng (…) lässt schaufeln ein Grab in der Erde (…) wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng …“

Diese Zeilen bilden ein unendlich geflochtenes Papierband, das Walter Kratner auf einer alten Schreibmaschine schrieb und überschrieb. Ein unendliches Band an Gräbern – in den Lüften und in der Erde, in der Erde und in den Lüften … Erde und Himmel finden sich verbunden durch eine Möbius-Schleife des Todes … „dein goldenes / Haar Margarete / Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den / Lüften da liegt man nicht eng / “.

(…) die Spuren der Geschichte verlöschen, sie werden seltener, sie werden zitiert und zu einer perversen Art „Disney World“, medial aufbereitet und verfälscht, de- und rekontextualisiert, schließlich bis zum Verlust jeder Aussage „relativiert“ oder gar völlig geleugnet.

(…) Diesen Effekt des „Löschens“ der eigentlichen Information durch Zuviel an Information zeigt der Künstler anhand der beidseitigen und jeweils zweifachen Überschreibung der mühsam mit einer alten Schreibmaschine getippten Zeilen aus Celans Todesfuge, die sich scheinbar unendlich wiederholen. Manche der Buchstabentypen „durchlöchern“ im wahrsten Sinne des Wortes bereits Geschriebenes, andere tilgen die Worte durch zu viel Farbauftrag … würde man weiterschreiben, bliebe nichts als zerfetztes, druckerschwarzes Papier ohne jegliche erkennbare Information.  (Zit.: Erwin Fiala, Medienwissenschaftler)

Zu sehen im Rahmen der Ausstellung >> „Hochsommer 2020 – Die steirische Breite III

Teilnehmende Künstler_innen: Siegfried Amtmann, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Gerald Brettschuh, Günter Brus, Wolfgang Buchner, Franz Cserni, Manfred Erjautz, Fredo Ertl, Josef Fink, Hannes Fladerer, Herbert Flois, Richard Frankenberger, Sonja Gangl, Hans Gigerl, Peter Gerwin Hoffmann, Hans Jandl, Franz Janz, Josef Kern, Michael Kienzer, Alfred Klinkan, Lena Knilli, Renate Kordon, Walter Köstenbauer, Walter Kratner, Alois Krenn, Othmar Krenn, Richard Kriesche, Erwin Lackner, Andreas Leikauf, Heinz Günter Leitner, Erika Lojen, Petra Maitz, Stefan Maitz, Heribert Michl, Franz Mocnik-Yang, Alois Mosbacher, Gerhardt Moswitzer, Alois Neuhold, Fritz Panzer, Erwin Posarnig, Hannes Priesch, Willy Rast, Arnold Reinisch, Werner Reiterer, Alfred Resch-Diaz, Kurt Ryslavy, Luis Sammer, Robert Schaberl, Irmgard Schaumberger, Werner Schimpl, Jörg Schlick, Hubert Schmalix, Martin Schnur, Peter Sengl, Hartmut Skerbisch, Herbert Soltys, Thomas Stimm, Ingeborg Strobl, Josef Taucher, Edith Temmel, Wolfgang Temmel, Edgar Tezak, Gustav Troger, Eva Ursprung, Matta Wagnest, Wolfgang Wiedner, Franz Wieser, Bruno Wildbach, Markus Wilfling, Erwin Wurm

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Stadtgemeinde Fehring und des Vereins Kultur GerberHaus mit Gerhard Sommer (Galerie Kunst & Handel Graz).

Einführung: Roman Grabner, Leiter des Bruseum am Universalmuseum Joanneum am Dienstag, 11. August 2020 // 19:30

__________

>> ALLE INFOS // DATEN UND AUSSTELLUNGSZEITEN

>> OBJEKTBESCHREIBUNG // NEUE GALERIE GRAZ

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#35

WALTER KRATNER // „Broken Book 3“ (2018)

MATERIAL: Buch (ca. 30x15cm), Paul Klatt, „Die 3. Gebirgs-Division 1939 – 1945“, Verlag Bad Nauheim, Podzun, 1958 // Eine originale handschriftlicheTagebuchaufzeichnung, 1943 (A3, gefaltet) // 3 Schraubenzwingen (Höhe: ca. 1M, verrostet) // Filzteppich, schwarz

Bis 22. August 2020 im Rahmen der Ausstellung „Best Of“ im Kunsthaus Weiz (bei Graz, Österreich).

Die skulpturale Arbeit „Broken Book 3“ zeigt Papier im Status zwischen Medium und Material. Als Material wird es in seiner puren physikalischen „Gegenständlichkeit“ gezeigt – zum Buch gebunden ist es ein papierener Erinnerungsspeicher.

Bei der Objektinstallation  „Broken Book 3“  handelt es sich um eine aufgeschlagene Publikation des Wehrmachtsgenerals und Kommandeurs Paul Klatt, der sich auch in der Nachkriegszeit bemühte, die Beteiligung der Deutschen Wehrmacht an NS-Kriegsverbrechen zu verharmlosen und mit einem abstrusen Ehrenkodex zu entschuldigen.

Zwischen den gebundenen Seiten dieser Schrift sind originale Aufzeichnungen aus dem persönlichen Kriegstagebuch eines Wehrmachtssoldaten eingeschoben und festgepresst. Dadurch kommen die privaten, persönlichen Kriegserfahrungen in einer öffentlich publizierten historischen Aufarbeitung im Sinne rechtsnationalen Gedankengutes zu liegen.

Die rigide Halterung des „offenen Buches“ mittels eisener Schraubenzwingen verunmöglicht allerdings das Lesen beider Inhalte. Vielleicht auch um den „Ungeist“ in Schranken zu halten. Ebenso ungewiss bleibt, ob es sich beim Verfasser der handschriftlichen Notizen um einen willfährigen Täter handelt, oder ob die Notate unter Miteinbeziehung der Opferperspektive geschrieben wurden.

ABBILDUNG | Buch (ca. 30x15cm), Paul Klatt, „Die 3. Gebirgs-Division 1939 – 1945“, Verlag Bad Nauheim, Podzun, 1958 | Eine originale handschriftlicheTagebuchaufzeichnung, 1943 (A3, gefaltet)

Zu sehen bis 22. August 2020 im Rahmen der Ausstellung „Best Of“ im Kunsthaus Weiz. Teilnehmer: >> Alfred Hrdlicka, Arik Brauer, Daniel Spoerri, Enrique Fuentes, Fritz Pumm, Günter Brus, Günter Grass, >> Hannes Schwarz, Heinz Cipulka, Herbert Soltys, Hermann Nitsch, Hubert Brandstätter, >> Josef Schützenhöfer, >> Josef Taucher, Karl Dobida, Kurt Weber, Oswald Oberhuber, Susanne Bodlos-Brunader, Valie Export, >> Walter Köstenbauer, >> Walter Kratner, Werner Augustiner (Organisation: Kunst & Handel, Graz)

____________

SIEHE AUCH: Kulturstock 3 | „Broken Books“

SIEHE AUCH: ORF Steiermark | Kunsthaus Weiz „Best Of“

SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#34

WALTER KRATNER // WERKBUCH 6 // “Homeless” (2002)

Djerassi Resident Artists Program, San Francisco // Executive Director: Judy Freeland

September, October 2002 // San Francisco, Woodside, CA

Walter Kratner worked in the Djerassi-Program 2002 for a limited selection of usual material – ropes, sickles, nails, wood, felt and burned bread. He arranged and rearranged the objects in different variations on the wall and on the floor to explore elemental forces (pressure, counter weight, decay, etc). These archaic constructions reflect the current social and political situation.

Project-Work: “homeless”

A modern tent is used as an example for perfect technical design of our time. Produced for holydays in the mountains or at the sea, the tent is used very often from the homeless in the streets of San Francisco as a shelter. In the context of the artwork Walter Kratner wanted to show the real dimension of living (space and behaviour). Fixed by massive fastenings with hemp ropes on the wall (as the drawing at the end of the film shows) it doesn’t allow the person (habitant) to sleep, but only to stand up. The installation should give the sense of „sleepless“. (Pressrelease)

Video, Videografik: Masoud Razavy Pour // Scan: Harald Polt

___________

>> SIEHE AUCH: CARL DJERASSI_Der Schattensammler (pfingstART 2014)

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | WERKBUCH Gesamte Playlist

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#30

pfingstART ONLINE 2020 // KURZE VIDEOS

WALTER KRATNER // „Nach der Jagd“

Der tödliche Umgang mit dem Dasein.

Ein Fußbad mit wohltemperiertem Wasser dient eigentlich der Entspannung, fördert die Durchblutung und reinigt die Füße. Im Gegensatz zum christlichen Ritualgehabe, wäscht sich in diesem Kurzvideo ein Mann selbst die Füße mit Kernseife und spricht eine Textstelle aus Thomas Bernhards Bühnenstück „Die Jagdgesellschaft“.  

Man hört eine halluzinierte Rückblende mit verstörenden Elementen aus einer Lebensgeschichte. Karge Sprach-  und Bildfragmente über kranke Bäume, einer Jagdtrophäe und erfrorenen Soldaten bilden den Nährboden für einen kurzen Monolog. Zur Waschung nach der Jagd wurde die angeschmutzte „Heimat“ in einem handelsüblichen Kopfkissen abgelegt.

(Möglicherweise blendet Walter Kratner mit den bewusst gesetzten Bildstörungen die Leichenwagen von Bergamo aus.)

„Wenn wir einen Menschen ansehen,

gleich was für einen Menschen,

sehen wir einen Sterbenden.„

(Thomas Bernhard, aus: „Die Jagdgesellschaft“)

___________

SIEHE AUCH: Ö1 KULTURFORUM , „Walter Kratner – Nach der Jagd“

pfingstART verzichtet im Jahr 2020 auf alle Veranstaltungen mit Publikum. Konzipiert von >> Walter Kratner und gestaltet von >> Masoud Razavy Pour läuft das Programm in mehreren Folgen und fragt: „Was.Wäre.Wenn?“

>> WEITERE KURZE VIDEOS VON: Kornelia Strahlhofer ( >> BLOG 25) | Stefanie Brottrager (>> BLOG #26) | Barbi Markovic (<< BLOG 27) | Franzobel ( >> BLOG 28) | Klaus Paier & Asja Valcic (>> BLOG 29) | Walter Kratner ( >> BLOG 30) | Igmar Jenner ( >> BLOG 31)

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#22

WALTER KRATNER // „Bagdad, 12. Juli 2007“

Ein Bildblock in Öl und Graphit auf Fotografie auf Papier (10 Bildtafeln, 30×40 cm)

Kunst Off Space | „Narrenkastl“, Frohnleiten (>> google map)

Vom 1. Mai bis zum 31. Mai 2020 ist der Schaukasten in der Passage am Hauptplatz in Frohnleiten täglich rund um die Uhr frei zugänglich.

Im gläsernen Schaukasten des „Narrenkastl“ sind 10 überarbeitete und grafisch leicht verfremdete Bildtafeln (>> siehe 3 Einzelbilder) aus einer dokumentarischen Filmsequenz zu sehen. Mit diesem mehrteiligen Bildblock erinnert der Konzept-Künstler Walter Kratner an die Veröffentlichung von Videomaterial, das die Ermordung von 25 Zivilisten während eines amerikanischen Hubschrauber-Angriffs im Irakkrieg 2007 zeigt.

Erregen im Allgemeinen bewegte Bilder wesentlich mehr Aufmerksamkeit, als jegliches gedrucktes Material, ermöglichen die hier ausgestellten „Stills“  einen zweiten, künstlerisch verlangsamten Blick auf die Ermordung von Menschen durch Luftangriffe. Es ist ein erstarrter „Tod“, den der Künstler darstellt. Dick verrinnende, blau-schwarze Ölfarbe schwappt zudem vom Bildrand über die einzelnen Aufnahmen. Walter Kratner verfremdet die „Jagdszenen“, das Bildmaterial der US-Militärs zu einem langen, kalten Blick auf das reale Geschehen einer Kriegshandlung, die in Sekundenbruchteilen mit einem Massaker endete.

Die Veröffentlichung des Videos „Collateral Murder“ im Jahr 2010 führte zur Verhaftung Chelsea Mannings und zu Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen Julian Assange. Doch die Kriegsverbrechen, die das Video aufdeckte, brachten sonst niemanden in Schwierigkeiten.

Kuratorin: Ulli Gollesch

ANMERKUNG ZUR FARBE PREUSSISCH-BLAU:

Von den Rändern der Bilder rinnt dickflüssig über die überarbeiteten Fotografien des Bild-Zyklus preußisch-blaue Ölfarbe.

Preußisch Blau enthält chemische, giftige Bestandteile, die auch zur Herstellung von Zyklon B verwendet wurden. So ist die Schönheit der Farbe Blau auch mit Blausäure und mit dem Zylon B zumindest verwandt.

>> SIEHE AUCH: Kai Kupferschmidt „Buch über Blau“ / „Blaue Säure

____________

SIEHE AUCH: >> BezirksREVUE, Graz-Umgebung, Mai 2020 | >> Kronenzeitung, „Fenster zum Krieg“ |

>> ZUM INFO_FOLDER

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“| >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#12

WERKBUCH 5 // “Fremdes Brot” (1999) // Hipp-Halle, Gmunden, Österreich

Video, Videografik: Masoud Razavy Pour // Scan: Harald Polt

“Solid plates of iron are perfectly situated in the ancient huge hall of this historical building. The archaic construction of the building, offset by massive fastenings with hemp ropes and sickles, suggests the principles of war, concurrent with the one now raging in Kosovo. The terrible balance between the elemental forces at work in this installation threaten the viewer with a sense that a breakdown can occur at any and every moment.” (Pressrelease, Exploratorium, San Francisco)

___________

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | WERKBUCH Gesamte Playlist

>> Deutsche Beschreibung, Salzkammergut Zeitung

>> ORF // Landesstudio Oberösterreich (1999)

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL