themenabend 1

H.C.ARTMANN.101

ERSTER ABEND | „WOS UNGUAZ“

Der verstorbene Lyriker steht neben Ernst Jandl, Gerhard Rühm, Frederike Mayröcker und Ingeborg Bachmann am Beginn einer selbstbewussten Neuerfindung der Sprachkunst nach 1945. Keiner tat das so unbefangen wie er.

Artmann war ein wilder Hund. Im Juni 2022 wäre er 101 Jahre alt geworden. pfingstART 22 bietet einen rasanten Durchlauf durch H. C. Artmanns Schaffen: Szenische Lesungen, Wortbilder, Geräuschkulissen, Tonalität, autobiografische Erzählungen, literaturhistorische Erläuterungen und Podiumsgespräche strukturieren zwei flirrende Themenabende im Kulturkeller am Weizberg (9. Mai 22) und im >> Kunsthaus Weiz (12. Mai 22)

Walter Prettenhofer & Benno Koloska | „Wos Unguaz“ | Szenische Lesung mit Ton und Geräuschen
Geraunzter Humor und Melancholie des Todes

Der in Berlin lebende österreichische Schauspieler und Sprecherzieher Walter Prettenhofer konzipierte gemeinsam mit dem Musiker Benno Koloska eine szenische Lesung mit Musik mit Texten von H. C. Artmann.

„Wos Unguaz“ zeichnet den Weg eines Liebe Suchenden über Dächer und Türme, über Kasematten und Bordelle, über Friedhöfe und Ringelspiele, über Riesen und Zwerge und Zwitter, über Kohlköpfe und Menschenfresser, über Lebende, Ermordete und Gespenster, über Inseln und Schiffe, Werften und silberne Löwen… Mit ausgesuchtem Timbre lässt Walter Prettenhofer hinter dem geraunzten Humor auch die Melancholie des Todes erscheinen.

Die außergewöhnliche Lesung wurde 2021 vom Österreichischen Kulturforum Berlin für „H. C. Artmann & Berlin“ geplant und vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten gefördert. Für pfingstART adaptiert das Duo Sprache und Ton für den Kulturkeller am Weizberg.

Walter Prettenhofer war Ensemblemitglied am Volkstheater Wien, Mitbegründer des THEATERmëRZ in Graz und seit 2014 Sprecherzieher an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Es folgten Soloprojekte über Franz Kafka und Hölderlin.

Rosa Pock-Artmann | „wir sind idioten“ | Lesung und Gespräch
kleinanleger der liebe

Rosa Pock war von 1972 bis zu seinem Tod im Jahr 2000 mit H. C. Artmann verheiratet; sie lebte in Graz, Paris und Salzburg, studierte Philosophie und begann erst in den 90er Jahren literarisch zu publizieren. Heute lebt sie in Wien.

Rosa Pock weiß ausufernde Geschichten zu erzählen. Nach Erhalt des Veza Canetti Preises und spätestens 2012 mit ihrem sechsten Buch „wir sind idioten“, einem Band mit zwei kürzeren und einer längeren Erzählung, etabliert sie auch ihre eigene literarische Tonlage. Das Reich des Grotesken und Surrealen ist nah, wenn Rosa Pock in drei Geschichten auf das Wesentliche reduzierte Lebensläufe vorführt. Mit zerhackter Syntax und voller Komik ist ihr mitleidloser Blick auf die Liebe, um so Grundfragen der menschlichen Existenz durchzuspielen.

In ihrem eigenen Schreiben orientiert sich Rosa Pock ausdrücklich an Artmanns Kunst. Die hasserfüllten Attacken Jörg Haiders gegen Artmann hat Pock nicht vergessen, der Politik begegnet sie inzwischen mit schwarzem Humor. Auch darüber spricht sie mit der Literturwissenschaftlerin Sonja Kaar und >> Walter Kratner in einem Podiumsgespräch.

Stefanie Brottrager „Sprachbilder“ | Schrift auf Mauer
Die Worte selbst sind Kunst

Die Künstlerin liebt Worte, Bilder, Wortbilder. Die promovierte Philosophin bezieht ihre Inhalte aus dem Zeitgeschehen. Der Alltag liefert ihr die Impulse. In ihrer neuen Ausstellung zum Themenabend „H.C.ARTMANN.101“ beschäftigt sie sich vor allem damit, wie Schrift und Sprache zu Wandbildern werden.

Auf den alten Mauern im Kulturkeller am Weizberg lässt sie mit gemalten Bildschriften einen zeitgenössischen Sprach-Raum im Tonnengewölbe entstehen. Die Worte selbst sind die Kunst. Sie wählt dazu eine neutrale Typographie für ihre Wortfindungen und lässt die schwarzen Buchstaben an der Wand prangen, als gehörten sie schon immer zum Mauerwerk.

Während eines Kunstgespräches zeigt die Künstlerin auch am 8. Mai ihre Arbeiten. (>> Kunst im Sakralraum / 11:30)

SIEHE AUCH: >> pfingstART 2020 | >> BLOG #26

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