themenabend 2

H.C.ARTMANN.101

ZWEITER ABEND | „AUS DA DINTN“ | ARTMANN & BERLIN

Artmann war ein wilder Hund. Im Juni 2022 wäre er 101 Jahre alt geworden. pfingstART 22 bietet einen rasanten Durchlauf durch H. C. Artmanns Schaffen:

Nach dem Themenabend im >> Kulturkeller am Weizberg (9. Mai) zeigt Uwe Bremer in einer Ausstellung im Kunsthaus Weiz neue Holzschnitte zu noch unveröffentlichten Texten aus seiner gemeinsamen Zeit mit H. C. Artmann in Berlin. Von seinen Berliner Erinnerungen erzählt auch Gerhard Rühm der Literaturwissenschaftlerin Sonja Kaar und gibt Einblick in das kulturelle Leben eines erzkonservativen Österreich. Fragen dazu stellt der Kurator Walter Kratner.

Im zweiten Teil des Abends perfekte Rezitation in Verbindung mit fantasiebegabter Schlagzeugerei: Wizlsperger vermittelt die sprachliche Brillanz, Skrepek die perkussive Interpretation der bis heute unübertroffenen Dialektgedichte Artmanns.

Paul Skrepek & Wolfgang Vincenz Wizlsperger | „aus da dintn“ | Szenische Lesung mit Schlagzeug
Artmann, Stimme, Schlagzeug, – mehr nicht

Die zwei Kalksburger Kollegas Skrepek und Wizlsperger widmen sich dem Dialekt-Werk des Wortakrobaten H. C. Artmann. Ihre Demonstration benötigt nur zwei Instrumente, Stimme und Schlagzeug.

In der Reduktion liegt die Kraft! Die Tonschöpfungen zu den schrägen Schnabelgedichten stammen von Paul Skrepek. Die Textauswahl, allesamt aus der Artmann-Mundart-Gedichtschwarte „med ana schwoazzn dintn“, sowie den Vortrag hat W. V. Wizlsperger zu verantworten. Kein Ton zu viel, keine Atempause zu wenig, kein Akzent am falschen Platz.

Vincenz Wizlsperger & Paul Skrepek reißen ganz im Sinn von H. C. Artmann das Fleisch von den Knochen – „nua ka schmoez ned, hob i gsogt“ – bis nur mehr das Gerüst übrigbleibt, das Skelett. Stimme, Schlagzeug, mehr nicht. Und halten so souverän die Balance aus Literatur und (improvisierter) Musik. Herauskommt Poesie, also das höchste der Gefühle! Besser als „aus da dintn“ wird’s nicht gehen.

Gerhard Rühm | „H. C. Artmann & Berlin“ | Videoproduktion
Der Doyen der österreichischen Literatur im Gespräch mit Sonja Kaar

Als Komponist und Interpret, Dichter und bildender Künstler war Gerhard Rühm ein intermedialer Grenzüberschreiter, lange bevor der Begriff des „crossover“ in Mode war. Die Begegnung mit H. C. Artmann Anfang der fünfziger Jahre führte Rühm zur Literatur. Zusammen mit Artmann, Friedrich Achleitner, Konrad Bayer und Oswald Wiener gründete er die „Wiener Gruppe“, deren Ziel die Erneuerung der literarischen Aussage aus dem Material der Sprache war.

1964 ist Gerhard Rühm aus Wien nach Berlin gezogen – man darf auch sagen: geflohen vor Anfeindungen, Missgunst, Unverständnis und der Chancenlosigkeit der radikalen Avantgarde. Hier strandete in dieser Zeit so mancher österreichische Künstler  – H. C. Artmann, Oswald Wiener, Günter Brus, Hermann Nitsch – und Künstlerin, wie Friederike Mayröcker, Elfriede Gerstl und viele andere. Das beliebte Lokal von Wiener in Westberlin trug also nicht von ungefähr den Namen „Exil“. Der Mythos West-Berlin war ja einmal Realität und für viele eine Art rettender Lebenszwischenaufenthalt. Über Berlin und Artmann spricht Gerhard Rühm in einer Videoproduktion mit Sonja Kaar.

Dr. Sonja Kaar unterrichtete nach einem Lehramtsstudium an der Universität Wien Deutsch und Geschichte an einem Gymnasium. Promotion 1998 bei Prof. Wendelin Schmidt-Dengler über H. C. Artmanns Theatertexte. Zahlreiche Vorträge und Publikationen zum Werk Artmanns und zu anderen Themen. Sie ist Mit-Herausgeberin und Autorin der Buchpublikation „H. C. Artmann & Berlin“.

Uwe Bremer | H. C. Artmann & Berlin | Holzschnitte „Portrait HC“, Buch-Edition, Podiumsgespräch
„Dracula“- Gefährten in Wort und Bild

Für die Ausstellung zum Themenabend sind Zauberer am Werk: Uwe Bremer mit seinen frisch geschnittenen  H. C. Artmann-Portraits – einer Berliner Zauberkisten-Edition („Die schwarze Kunst“) mit acht Holzschnitten zu einem unveröffentlichten Text aus dem Jahre 1978 von Bremers Freund HC. Erstmals ausgestellt zum pfingstART-Festival im Kunsthaus Weiz.

H.C.Artmann sprach stets begeistert über seine Aufenthalte in Westberlin (1962, 1965–1968), wo er im Austausch mit österreichischen und deutschen Künstler_innen wichtige Texte wie „drakula drakula“ schrieb und in Berliner Verlagen veröffentlichte. In Uwe Bremer – dem „Rixdorfer“-Druckerkollektiv und ihren Editionen mittels ausgedienter Blei- und Holzlettern – fand Artmann einen kongenialen Partner für seine Vorliebe für Typographie und Bild in bibliophilen Ausgaben.

Die Kooperationen mit Uwe Bremer reichen auch über Artmanns Tod hinaus. 2022 entstand posthum die vorläufig letzte im bibliophilen Zusammenspiel eines erstmals publizierten Artmann-Textes mit poetischen Artmann-Portraits und einem Vorwort von Gerhard Rühm. Auch darüber spricht Uwe Bremer mit der Literaturwissenschaftlerin Sonja Kaar an diesem Abend. Es moderiert Walter Kratner.

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