Kategorien
Allgemein

#61

CATERINA VAN HEMESSEN (1528 – 1587) // “Portrait d’une jeune fille” (ca. 1550)

Öl auf Holz (31 x 23 cm) // Baltimore Museum of Art

Caterina van Hemessen war Tochter des flämischen Renaissance-Malers Jan Sanders van Hemessen. Eine Reihe von Hindernissen standen Frauen im Weg, Malerinnen zu werden. Die Ausbildung sah nämlich die Sektion von Leichen, und das Studium des nackten männlichen Körpers vor. Außerdem bedeutete es, während der Lehrzeit, im Alter von 9 – 15 Jahren, mit einem älteren Künstler mehrere Jahre lang zusammenarbeiten zu müssen. Aus diesen Gründen wurden Künstlerinnen in der Regel von nahen Verwandten, meist von ihren Vätern ausgebildet und blieben eine Seltenheit in der Gesellschaft des 16. Jahrhunderts.

1540 erhielt van Hermessen die Unterstützung der niederländischen Regentin Maria von Ungarn und heiratete 1554 den Organisten Kerstiaen de Moryn im Antwerpener Dom. Das ermöglichte ihr den Eintritt in das Brüsseler Hofleben. Als Maria 1556 nach Spanien zurückkehrte, folgten ihr Caterina mit ihrem Ehemann ebenfalls nach Kastillien. Zwei Jahre später, nach Marias Tod, wurde Caterina eine beträchtliche lebenslange Rente zugesichert. Das Ehepaar kehrte daraufhin wieder nach Antwerpen zurück.

Caterina van Hemessen starb 1587. Sie schuf hauptsächlich Porträts, die von Realismus geprägt waren. Sie malte die meist Sitzenden vor einem dunklen oder neutralen Hintergrund. Diese Art von „Framing“ sorgte für einen intimen Ausdruck. Von ihr gibt es keine erhaltenen Werke nach 1554, was einige Historiker zu der Annahme veranlasst hat, dass die Heirat ihre künstlerische Karriere beendete. Van Hemessen wurde jedoch Mitglied der Guilde de Saint Luc, einer angesehenen Vereinigung von  Künstlern, Händlern und Kunstliebhabern. Sie durfte fortan Männer unterrichten, was für Frauen dieser Zeit äußerst selten war.

Es sind nur 13 datierte und signierte Gemälde (9 Porträts und 4 religiöse Motive) bekannt. Drei Porträts und zwei religiöse Motive werden ihr zugeschrieben. Sie gilt als die erste Frau in der flämischen Schule, für die es nachweislich Werke gibt. Caterina van Hemessen hat als erste ein Selbstporträt angefertigt, das sie bei der Arbeit vor ihrer Staffelei zeigt, um Aufträge zu erhalten.  

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

>> ZUM KÜNSLER_INNEN INDEX