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#52

LAVINIA FONTANA (1552 – 1614) // “Minerva in atto di abbigliarsi” („Minerva Dressing“), 1613 //

Öl auf Leinwand (258 x 190 cm) // Galleria Borghese, Roma

Lavinia Fontana wurde in Bologna, als Tochter des manieristischen Malers Prospero Fontana geboren. Sie erfuhr in der Werkstätte ihres Vaters eine breitgefächerte humanistische Ausbildung und wurde früh von Papst Gregor XIII., der ebenfalls aus Bologna stammte, unterstützt.

Zu ihren besten Werken zählt das Bildnis ihres Gönners (1580). Diese Arbeit ermöglichte ihr dauerhafte Verbindungen zu kirchlichen Auftraggebern. Lavinia zog 1603 mit ihrer Familie auf Einladung des Papstes Clemens VII. nach Rom. Es folgten weitere Aufträge für Altargemälde und private Historienbilder. Bei ihrer Ankunft in Rom war sie die erste Frau, die jemals in die Accademia di San Luca in Rom aufgenommen wurde, die in Rom als wichtigste Schule und Bruderschaft für Maler, Bildhauer und Architekten galt.

Trotz all ihrer überwältigenden Leistungen war Fontana immer noch durch ihr Geschlecht in der Themenwahl eingeschränkt. So war ihr verboten, männliche Akte zu studieren oder zu malen. Jedoch war ihr erlaubt, Akte von Frauen abzubilden. Daraus entstand eine Serie von Aktporträts griechischer Göttinnen und Allegorien, wie eine über „Venus“, die sie als weibliche Personifikation der Klugheit darstellt.

Das Bild „Minerva kleidet sich an“ von 1613, das sie im Auftrag von Kardinal Scipione Borghese anfertigte, ist zugleich ihr letztes bekanntes Gemälde. Minerva ist die römische Göttin der Weisheit, der Künste, der Kriegsstrategie und des Handels. Die Römer stützten einen Großteil von Minervas Macht auf ihre Verwandtschaft mit der griechischen Göttin Athene, denn Minerva wurde ebenfalls aus dem Kopf ihres Vaters Jupiter geboren. In der Überlieferung trägt sie eine Rüstung mit einem weisen, strengen Gesicht. Es wurde angenommen, dass Minerva die Personifikation der Kraft des Denkens und des strategischen Sieges ist.

Im römischen Mythos errangen Menschen, die von der Göttin Minerva angeführt wurden, ihren Sieg durch Ausdauer und Witz. In Bezug darauf hat Lavinia Fontana nicht nur die Rolle der Frau in Gesellschaft und Kunst des 16. Jahrhunderts  beeinflusst, sondern sie wusste auch, wie wichtig es ist, Verbündete in hohen Positionen zu nützen.

Lavinia war sehr erfolgreich und zählte zu den bekanntesten Malpersönlichkeiten ihrer Zeit. Es gibt mehr als 100 Werke, die von frühen Quellen dokumentiert werden, aber nur 32 sind signiert. Weitere 25 erhaltene Werke werden ihr zugeschrieben, was ihr Schaffen zum umfangreichsten einer Malerin vor dem 17. Jahrhundert macht.

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#51

LAVINIA FONTANA (1552 – 1614) // “Antonietta Gonzalez” (1595)

Öl auf Leinwand  (57 x 46 cm.)  // Musée du Château, Blois

Lavinia Fontana zählte zu den herausragenden Malpersönlichkeiten ihrer Zeit. Vor allem ihre Porträts und historischen Darstellungen wurden allgemein bekannt. Ungewöhnlich für eine Frau der damaligen Zeit wagte sie sich auch an Aktmalerei.  In den 1570er Jahren galt Fontana als eine der bedeutendsten Porträtmalerinnen Bolognas. Das Porträt von Antonietta Gonsalvus wurde 1594 oder 1595 von ihr gemalt.

Lavinia Fontana porträtierte für den Großherzog Ferdinand de Gonzaga in Mantua die 8 bis 10 jährige  Antonietta (geb. um 1588), die jüngere Tochter von Petrus Gonsalvus. Dieser hatte eine Eigenschaft, die im 16. Jahrhundert die Hälfte Europas faszinierte: Er hatte Hypertrichose, eine erbliche genetische Störung, die seinen gesamten Körper mit Haaren bedeckte. Gonsalvus wurde auf den Kanarischen Inseln gefangen genommen und an den Hof von König Heinrich II. von Frankreich gebracht, wo er zur Hauptattraktion für Adlige und Bürger wurde, die „das Tier“ domestiziert und zivilisiert sehen wollten. Am Hof ​​wurde Petrus‘ Status allerdings nicht abgewertet. Er wurde in den Geisteswissenschaften ausgebildet, lernte Latein und wurde zum Adjutanten seiner Majestät.

Er heiratete Catherine Raffelin, eine haarlose Bourgeoisie; Aus ihrer Vereinigung gingen sechs Kinder hervor. Eines der Mädchen war Antonietta, die von Lavinia Fontana, der vielleicht wichtigsten Malerin der Zeit, mit großer Zärtlichkeit und Sympathie dargestellt wurde. Das Porträt zeigt eine Hybride, die irgendwo zwischen einer puppenähnlichen Figur und einer haarigen Kreatur in Hofkleidung liegt. Das gesamte Gesicht des 8-10-jährigen Kindes ist von dichtem Haarwuchs bedeckt. Was auffällt, wenn man Lavinia Fontanas Gemälde betrachtet, ist die wohlwollende Sichtweise der Porträtmalerin. Obwohl Antoniettas Gesicht übermäßig reichlich mit Gesichtshaaren bedeckt ist, wirkt das Gesicht harmonisch und keineswegs männlich. Das junge Mädchen scheint perfekt in die Hochkultur ihrer Zeit eingebunden zu sein: Sie ist in ein schönes Kleid gekleidet und mit einem eleganten Ornament nach Art des Hofes von Florenz gekrönt. Ein Kinderporträt, in dem Antonietta einen Brief trägt, der einen Teil der Geschichte ihrer Familie erklärt und impliziert, dass sie und Ihre Freunde kaum mehr als Kuriositäten waren, die die Adligen der damaligen Zeit als exotische Tiere sammeln konnten. So wurde auch nach dem Tod Heinrichs II. Petrus und seine Familie an Margarete von Österreich, Herzogin von Parma, Gouvernante der Niederlande, abgetreten.

Der Großherzog Ferdinand war, wie viele andere Aristokraten in der Renaissance, ein begeisterter Sammler natürlicher Kuriositäten und seltsamer Objekte. Dieses Interesse an Mirabilien erstreckte sich auf alle Höfe und „Wunderkammern“ Europas. So wurde dem Erzherzog Ferdinand II. von Tirol ein Gemälde für die Kunstkammer seines Palastes  in Ambras (südlich von Innsbruck) angeboten, das vier ebenfalls behaarte Mitglieder der Familie Gonsalvus darstellt. Aus diesem Grund wurde die Hypertrichose der Familie Gonsalvus bis Ende des 19. Jahrhunderts auch als „Ambras- Syndrom“ bezeichnet. 1872 erhielt  Kaiser Franz Joseph (Ehemann von Elizabeth / „Sissi“) Kopien dieser Porträts.

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#49

SOFONISBA ANGUISSOLA (um 1535–1625) // „Drei Schwestern beim Schachspiel“ (um 1555)

Öl auf Leinwand // 72x97cm

Die Malerei war im 16. Jahrhundert eine Männerdomäne. Das heißt aber nicht, dass es keine Malerinnen gegeben hat. Sofonisba Anguissola war ohne Zweifel im 16. Jahrhundert die bekannteste Künstlerin in Italien, wenn nicht in Europa.

Die aufgeschlossenen Eltern der Künstlerin ermöglichten in Cremona den sechs Töchtern eine humanistische und selbstbewusste Erziehung, die normalerweise nur dem einzigen Sohn zugestanden hätte. Da es Frauen aber nicht erlaubt war, anatomische Bilder oder welche mit mythologischem Bezug zu malen, konzentrierte Sofonisba sich auf Portraits oder häusliche Szenen. Bereits 1555 hatte sie ihr wohl berühmtestes Familienporträt vorgelegt, das drei ihrer fünf Schwestern beim fröhlich-aufmerksamen Schachspiel zeigt und als erstes Genrebild der italienischen Malerei in die Kunstgeschichte einging.

Sie reiste 1559 auf Empfehlung des Herzogs von Alba, Fernando Toledo, an den Hof Philipps II. nach Madrid. Der König von Spanien und seine Ehefrauen schätzten Anguissola so sehr, dass sie der Malerin eine jährliche Rente gewährten. Damit dürfte Sofonisba Anguissola die erste Hofmalerin der europäischen Renaissance gewesen sein.

Für Mädchen ihres gehobenen Standes äußerst ungewöhnlich, lebten und lernten sie ab 1546 drei Jahre lang im Hause Campis, in Obhut des Künstlers und dessen Frau, und vollendeten bis 1551 ihre insgesamt fünfjährige Ausbildung bei Bernardino Gatti (um 1495–1576). Auf Vermittlung ihres Vaters, der Sofonisbas Karriere verwaltete, stand sie bald in Briefwechsel mit Michelangelo Buonarroti und wurde von Giorgio Vasari lobend in seinen Viten erwähnt. Noch als charmante Neunzigjährige inspirierte sie, obgleich erblindet, durch ihre künstlerische Fachkenntnis den jungen flämischen Maler Anthonis van Dyck (1599–1641), der sie 1624 in Palermo besuchte.

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#48

Plautilla Nelli, Das letzte Abendmahl,Firenze, Santa Maria Novella, Walter kratner

PLAUTILLA NELLI (1523 – 1588) // „DAS LETZTE ABENDMAHL“ (1560)

Sieben mal zwei Meter misst das Ölgemälde („Das letzte Abendmal“), das im Museumskomplex Santa Maria Novella in Florenz ausgestellt ist.

Vier Jahre dauerte es, bis die aufwendigen Arbeiten an Nellis Abendmahl 2019 abgeschlossen waren und das Gemälde in Santa Maria Novella ausgestellt werden konnte. Das Kunstwerk von 1560 sei womöglich „eines der bedeutsamsten Bilder in der Kunstgeschichte“, „die erste und vielleicht die einzige“ Darstellung des Letzten Abendmahls von einer Frau der Renaissance, heißt es auf der Homepage des Museums.

Mit 14 Jahren trat die Tochter des Malers Luca Nelli in das Dominikanerkloster Santa Caterina di Siena ein und wurde Schülerin von Fra Paolino da Pistoia. Im Kloster hatte sie – im Gegensatz zu Frauen außerhalb der klösterlichen Mauern – die Möglichkeit, in der Kunst des Malens unterwiesen zu werden. Somit war für sie das Klosterdasein eine Chance, sich den Pflichten einer Haus-Frau zu entziehen, wenngleich sie nicht unter denselben Bedingungen arbeiten durfte wir ihre männlichen Kollegen.  Ihr Zeitgenosse Vasari bedauerte es ausdrücklich, dass ihr das Aktstudium verboten war. Nelli malte großflächige und auch kleinflächige Gemälde. Sie hatte sowohl weltliche als auch kirchliche Auftraggeber.

Das Gemälde sei von Nellis Oberin in Auftrag gegeben worden, um es im Speisesaal des Klosters aufzuhängen. Es sei wohl auch vom gleichnamigen Gemälde Leonardo da Vincis beeinflusst worden. Auf dem Bild wird der Moment dargestellt, in dem Jesus der Überlieferung nach zu seinen zwölf Aposteln sagt: „Einer unter Euch wird mich verraten.“

Wer das ist, teilt Jesus seinen Jüngern in Nellis Interpretation mit, indem er Judas ein Stück Brot reicht. Die Reaktionen darauf schlagen sich vor allem in der Gestik der Apostel nieder: Sie „sprechen mit ihren Händen und tanzen mit ihren nackten Füßen“, sagt die Restauratorin des Bildes, Rosella Lari. Die Hände seien so detailreich dargestellt, dass „sogar die Sehnen, die Adern und fast die abgestorbene Haut um die Nägel“ sichtbar seien.

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#47

„MUTANT“ // AKNOON ART GALLERY – ONLINE // TEHERAN

ARTISTS: Anoli Perera (Sri Lanka), Walter Kratner (Austria). Marjan Habibian (Iran, Austria), Hassan Meer (Oman), Nasim Pirhadi (Iran), Jagath Weerasinghe (Sri Lanka); CURATOR: Marjan Habibian (Iran)

The international group show “Mutant” wants to be a cultural dialogue that concerns larger contextual frameworks such as personal and cultural identity. So art is used to communicate different messages within different contexts.

Mutation requires a platform. This matrix could be your mind, your country, your genetics, your path or elements of cultural and religious socialization.

It is possible to overflow the meaning of your mind in the colorful patterns of a textile, a scarf or a cassock. Searching the meaning of mutation you find the answer in the passing of years, days, maybe in the ending of any joy and in the wrinkles of sorrows on a tired face.

It is possible to look beyond the eternal silence and peace in things of daily life which are covered by the dust of the years, or you continue to explore the meaning of mutation with a step forward into the soul of the atom. For find an answer it is even possible to embroider an image on the warm bodies of creatures by genetic manipulation.

We are six artists who have come together from different parts of the world, each representing our own platform in our own particular language. (Marjan Habibian, curator)

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#41

ELLEN GALLAGHER // „Dream Girl“ (2004)

Ellen Gallagher (*1965 in Rhode Island) thematisiert oft Themen der Rasse, sowie Mythologie und die Dynamik zwischen Geschichte und Gegenwart.  

Für mehrere Serien, die Ellen Gallagher in den 2000er-Jahren schuf, verwendete sie Werbeanzeigen für Perücken, Hautcreme, Seife und Shampoo aus afroamerikanischen Lifestyle-Magazinen, die einen spezifischen Augenblick der Sozialgeschichte spiegeln. Insbesondere ist es Werbung für Perücken und andere Bedarfsartikel, die afrikanischen Frauen ein verändertes — weißen Frauen angepasstes — Aussehen versprachen. Gallagher ergänzte die Bilder mit Wülsten aus gelber Knetmasse. Den Afro-Look, Symbol der Black Power, verwandelt die gezähmte Perücke in ein Zeichen der Angleichung und Anpassung.

Die „gelben Gemälde“ Double Natural (2002), Pomp-Bang (2003) und Afrylic (2004) basieren auf Bildern aus afroamerikanischen Lifestyle-Magazinen wie Ebony, Our World und Black Stars aus den 1940er- bis 1970er-Jahren. Die Bilder zeigen, wie der Afro-Look, also natürliches krauses Haar in Mode kam und für die Black Power- und Bürgerrechts-Generation ein wichtiges politisches und ästhetisches Symbol wurde. Gallagher ergänzte die Bilder mit gelber Knetmasse. Diese improvisierten Zusätze lenken die Aufmerksamkeit auf bestimmte Fragmente und lösen die Bilder aus dem historischen Kontext ihrer Entstehung

Die merkwürdigen Hauben scheinen ein Eigenleben zu führen. Sie sind den Meeresorganismen aus der utopischen Unterwasserwelt „Drexciya“ — dem schwarzen Atlantis — nicht unähnlich.

Mit ihren Gemälden untersucht die Künstlerin, wieweit die Perücke als eine Art Haut verstanden werden kann (oder umgekehrt), ob die Perücke etwas Natürliches, die Haut etwas Veränderbares ist, und inwiefern Perücken und Haut etwas im Übergang begriffenes sind.   

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#40

KIKI SMITH // “Untitled” (1995)

Braunes Papier, Methylzellulose, Pferdehaar (Dim.: 134,6 x 45,7 x 127 cm)

Eine Gekreuzigte? Ist das Verbeugung, Erschöpfung, Unterwerfung oder der nackte Protest dagegen? Es lässt sich nicht eindeutig ausmachen, die Figur hängt kopfüber. Aber ihre Hände halten die Skulptur wie angenagelt an der Wand – eine weibliche Gekreuzigte mit einer Haut aus Papier. Oder ist es doch ein Mann?

Eigentlich ist das unerheblich, denn die Skulptur erzählt „untitled“, aber ganz unmittelbar von der Verwundbarkeit und der Ausgesetztheit, der machtvollen Präsenz und der Symbolkraft des menschlichen Körpers.

Existenzielle Fragen zu Identität, Eigentum oder Kontrolle des menschlichen Körpers beschäftigen sie. Die Suche nach Antworten führt Smith in die Grenzbereiche zwischen Leben und Sterben, Kultur und Natur.

Kiki Smith wird 1954 in Nürnberg geboren. Vater Tony ist ein berühmter Künstler, Minimalist und Architekt aus dem Kreis der Abstrakten Expressionisten in den USA. Das Mädchen wächst also mit Kunst auf, interessiert sich früh für verschiedene Materialien – ihre Werke bestehen unter anderem aus Glas, Wachs, Haar, Bronze, Stoff und Papier –, sie lebt in der (Sub-)Kultur New Yorks, erlebt, wie die Aids-Epidemie die ersten Opfer fordert, darunter die eigene Schwester. Ein Kunststudium schließt sie nicht ab, dafür eine Ausbildung als Rettungssanitäterin.

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