Kategorien
Allgemein

# 98

WALTER KRATNER // „Balance 2“, 2022

Tierfigur (Zebra), Kalkstein, 2 Holzstühle (gebraucht), Holzkonstruktion (grau lackiert), Räder, Filz (schwarz), Handgriffe; Dim.: ca. 150 x 150 x 200 cm

Die zweite Objektinstallation für den Kulturstock 3 weist Bezüge zum Metamorphosen-Thema auf und gibt eine gesellschaftliche Perspektive vor: So scheint die Dekomposition von Holzstühlen besonders von der Vorläufigkeit jedes harmonischen Zustands inspiriert, den alle labile Gleichgewichte in sich tragen. 

Ein Stein drückt die Stuhl-Skelette zu Boden, währenddessen ein zweiter die prekäre Balance aufrecht erhält. Durch verkeilte Holzleisten und wenige Flügelkopf-Schrauben wird ein Gleichgewicht auf dem Rücken einer Spielzeug-Figurine aufrecht erhalten, das jeden Moment zerfallen könnte.

„(…) Nicht nur in dieser Installation werden die verwendeten Alltagsfragmente zum Menetekel der Katastrophenanfälligkeit der Gegenwart.“  Zit.: Erwin Fiala (Mag. Dr. Phil., Medienwissenschaftler)

ZU SEHEN AB 10. SEPTEMBER 2022 IM KULTURSTOCK K3 (bei Graz)

_______________

SIEHE AUCH:  Kulturstock 3 | „Tod im Wasser“

________________

>> WALTER KRATNER >> BLOG 97 („Tod im Wasser“) | >> BLOG 85 („Dämmerung“) | >> BLOG 83 („3 Roses“) | >> BLOG 81 („Clean Hands“) | >> BLOG 79 („Woyzeck. Der Richterspruch“) | >> BLOG 66 (The Trap) | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZUM KÜNSLER_INNEN INDEX

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

# 97

WALTER KRATNER // „Tod im Wasser“, 2020/2022

Tierfigur (Zebra), destilliertes Wasser (ca. 5 Liter), Waschschüssel (Blech, weiß, gebraucht), Stein, 2 Schraubenzwingen, Holzkonstruktion (weiß lackiert), Filz (schwarz), Handgriffe; Dim.: ca. 130 x 170 x 110 cm

In Zeiten von Pandemie und Krieg erweckt ein fast steter Aufenthalt in virtuellen Räumen den Anschein, dass Entferntes in gefühlte Nähe rückt.“

Während sich Europa in einer schweren Krise befindet, spielen sich jedoch vor den Toren des Kontinents auf dem Mittelmeer Dramen ab, die kaum noch jemand zur Kenntnis nimmt. Die Krise scheint ein Vorwand zu sein, um Flüchtlinge, die in Seenot geraten, nicht mehr retten zu müssen.

Fast spielerisch rückt die Objektinstallation „Tod im Wasser“ eine ertrinkende Tierfigur − ein afrikanisches Zebra − in den Fokus.

Literatur:

Ovid, Buch I: Metamorphosen 253-312 (Deutsche Übersetzung) – Die Sintflut

(…) Ein Wolf schwimmt zwischen Schafen, die Welle trägt gelbe Löwen,
(305) sie trägt auch Tiger mit sich, und nichts nützen dem Eber seine Blitzeskräfte,
und nichts dem weggetragenen Hirsch seine schnellen Beine,
und nachdem er lange Erde gesucht hatte, wo er anhalten könnte,
fällt der irrende Vogel mit ermatteten Flügeln ins Meer.
Die ungeheure Zügellosigkeit des Wassers hatte Hügel bedeckt,
(310) und es schlugen neue Fluten auf die Berggipfel.
Der größte Teil wird von der Welle weggerissen, und jene, die die Welle verschont hat, vernichtet langes Hungern durch fehlende Nahrung.

Anmerkung zur Arbeit:

„(…) Walter Kratner stellt (…) eine Metamorphose, eine Transformation dar. Sie wissen, das kommt öfters in der Literatur vor, – bekanntlich ursprünglich bei Ovid. Sein Konzept geht wiederum auf Heraklit und noch weiter zurück. Eine dieser Metamorphosen, die sie sicherlich kennen, ist die der Sintflut.

(…) Irgendwann ist der Mensch in seiner eigenen Wandlungsfähigkeit offensichtlich beschränkt. Er meint, um die Außenwelt kennen zu lernen, müsse man sich selbst kennen, um dann die Gesellschaft zu ändern. Diese Vorstellung funktioniert aber nicht und so gibt es in den meisten Kulturen eine Sintflut. Durch sie soll ein neues Leben, – ein anderes Leben entstehen. Walter Kratner nimmt mehr oder weniger eine der Metamorphosen von Ovid auf und zeigt in seiner Installation ein Zebra. Der Künstler geht dabei auf den Originaltext zurück und macht darauf aufmerksam, dass wir so von Neuigkeiten, Bildern und Nachrichten umgeben sind, dass wir viele Dinge außer Acht lassen. Dazu gehört auch die Außerachtlassung, dass tagtäglich Hunderte Menschen  im Mittelmeer ertrinken und vielleicht sogar an unser wunderbares Urlaubsgebiet angeschwemmt werden. Somit stellt der Künstler die Frage nach der Wandelbarkeit, nach der Wandelfähigkeit des Menschen, in den Raum.  (…) Zit.: Roman Grabner (Joanneum, Graz)

ZU SEHEN AB 2. JULI 2022 IM KULTURSTOCK K3 (bei Graz)

___________________

SIEHE AUCH:  Kulturstock 3 | „Tod im Wasser“

SIEHE AUCH:

WALTER KRATNER // „La patria morta“ // Galleria Web Art, Treviso

___________________

>> WALTER KRATNER >> BLOG 98 („Balance 2“) | >> BLOG 85 („Dämmerung“) | >> BLOG 83 („3 Roses“) | >> BLOG 81 („Clean Hands“) | >> BLOG 79 („Woyzeck. Der Richterspruch“) | >> BLOG 66 (The Trap) | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZUM KÜNSLER_INNEN INDEX

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#85

WALTER KRATNER  // „DÄMMERUNG“ (1996)

Rauminstallation im Kreuzgang für Kulturzentrum bei den Minoriten

Kurator: Josef Fink (1941-1999)

„Die vorgedachte, konzeptionsbezogene Schlichtheit dieser Werkarbeit ist eine sprachlose Beschreibung der Grundkräfte des Wirklichen: Aggressionen, Verletzungen, Zerstörungen. Rohe Gerätschaften (Stangen, Steine, Säcke), die eher zur atavistischen Natur des Menschen gehören als zur Kunst, zeugen – in einer Rückerinnerung – vom Voranschreiten beängstigender Zustände.“ (Pressetext, Kulturzentrum b.d. Minoriten, 1996)

„(…) The choice of material derives from the iconography of poverty which characterizes the Franciscan order: wood pressed between two columns, a poor material with nails. The wood also acts as a division between the inside and outside – a wooden barrier referring to the psychological state of those inside. The architectural function of the cloister columns, meant to alternate dark and light as a form of meditation, is heightened with the resulting dimunition of light.“

Walter Titz, Kleine Zeitung, Graz  (engl. Version: Galerie „refusalon, San Francisco)

Video: Masoud Razavy Pour

___________________

>> WALTER KRATNER >> BLOG 97 („Tod im Wasser“) | >> BLOG 83 („3 Roses“) | >> BLOG 81 („Clean Hands“) | >> BLOG 79 („Woyzeck. Der Richterspruch“) | >> BLOG 66 (The Trap) | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZUM KÜNSLER_INNEN INDEX

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

Kategorien
Allgemein

#34

WALTER KRATNER // WERKBUCH 6 // “Homeless” (2002)

Djerassi Resident Artists Program, San Francisco // Executive Director: Judy Freeland

September, October 2002 // San Francisco, Woodside, CA

Walter Kratner worked in the Djerassi-Program 2002 for a limited selection of usual material – ropes, sickles, nails, wood, felt and burned bread. He arranged and rearranged the objects in different variations on the wall and on the floor to explore elemental forces (pressure, counter weight, decay, etc). These archaic constructions reflect the current social and political situation.

Project-Work: “homeless”

A modern tent is used as an example for perfect technical design of our time. Produced for holydays in the mountains or at the sea, the tent is used very often from the homeless in the streets of San Francisco as a shelter. In the context of the artwork Walter Kratner wanted to show the real dimension of living (space and behaviour). Fixed by massive fastenings with hemp ropes on the wall (as the drawing at the end of the film shows) it doesn’t allow the person (habitant) to sleep, but only to stand up. The installation should give the sense of „sleepless“. (Pressrelease)

Video, Videografik: Masoud Razavy Pour // Scan: Harald Polt

___________

>> SIEHE AUCH: CARL DJERASSI_Der Schattensammler (pfingstART 2014)

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | WERKBUCH Gesamte Playlist

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 66 (The Trap) | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

>> ZURÜCK ZU PFINGSTART_AKTUELL

>> ZUM KÜNSLER_INNEN INDEX