pfingstART ONLINE 21 // “13 ARTISTS – 13 SHORT VIDEOS“
ANNA DROŃSKA
DEUTSCH Die polnische Künstlerin Anna Dronska beschäftigt sich mit Malerei und experimentellen Textilien. Ihre kreativen Interessen drehen sich um eine Kunst, die tiefgreifende ökologische Fragen aufgreift. Ihr Kurzfilm öffnet den Kosmos in eine erblindete Welt.
„Aus irgendeinem Grund sind wir praktisch, kalt und modern geworden. Wir vergessen immer öfter, dass ein Teil des Körpers, der im Auto eingeschlossen ist, auch im Besitz einer Seele ist.“ (Katalogtext)
ENGLISCH The Polish artist Anna Dronska deals with painting and experimental textile. Her creative interests revolve around ecological art and profound ecology. Her short film opens the cosmos into a blind world.
“For some reason, we have become practical, cold and modern to the core. We ever more often forget, that part from the body locked inside the car, we are also in possession of a soul.” (Catalogue text)
pfingstART 21_ ONLINE EXTRA // “13 ARTISTS – 13 SHORT VIDEOS“
ANNA DROŃSKA // “Melancholia”
DEUTSCH Jeder Atemzug ist eine zeitlose Geschichte aus Angst, die weder logisch verortet noch gelindert werden kann.
„Nach mehreren Ausstellungen sehe ich, dass einige emotional Unangepassten, so wie ich, auf solche Bilder warten, um sich wenigstens für einen Augenblick, aus ihrer melancholischen Einsamkeit zu befreien.“ (Anna Dronska, Katalogtext)
ENGLISH Every breath is a timeless story of fear that can neither be logically located nor alleviated.
“However, after successive presentations I see that crowd like me emotional freaks waiting for this type of messages that even for a moment changes their melancholy solitude.” (Anna Dronska, catalogue text)
pfingstART ONLINE 21 // “13 ARTISTS – 13 SHORT VIDEOS“
SAEED JAFARIAN // Über „Umbra“ / About „Umbra // Filmfestival Cannes 2018
DEUTSCH „Kunst ist Schönheit plus Mitleid. Mitleid ist eigentlich das, was authentische Kunst ausmacht.“ (nach Vladimir Nabokov)
Der Kurzfilm „Umbra“ des iranischen Regisseurs Saeed Jafarian wurde bei den 71. Filmfestspielen von Cannes für den Kurzfilm Palme d’Or nominiert und auf den renommiertesten Filmfestivals der Welt gezeigt. „Umbra“ hat eine Frau in Teheran als Protagonistin, die Grenzen überschreitet und Ängste überwindet, um frei zu sein. In diesem kurzen Video zum Film, spricht Saeed Jafarian in seinem Statement, vom Dreh einer besonderen Sequenz, die im Film fehlt und hier zum ersten Mal öffentlich gezeigt wird.
ENGLISH “Art is beauty plus pity. Pity is actually what defines authentic art.” (Vladimir Nabakov)
The short film “Umbra” from the Iranian director Saeed Jafarian was nominated for the Short Film Palme d’Or at the 71st Annual Cannes Film Festival and also have screened at some of the world’s most prestigious film festivals. „Umbra“ is about breaking boundaries and the fear of being free, specially for women in Iran. In this Short Video Jafarian is speaking about one particulary “shot” on the set for the film, which is shown for the first time in public.
Throughout the month of May 2021, 13 artists from Europe, the USA and the Middle East are showing 13 short videos. #kultur6vor6
Curator: Walter Kratner // Video-Design: Masoud Razavy Pour
pfingstART ONLINE // „13 ARTISTS -13 SHORT VIDEOS“
SABINE GRUBER // „JOURNALGEDICHTE“
DEUTSCH „Ich kann diesem Frieden keinen Glauben schenken“
Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Sabine Gruber liest aus bislang unveröffentlichten Gedichten über die Essenz des Lebens. Schlicht und zugleich höchst kunstvoll: Die Gedichte von Sabine Gruber bestechen, ebenso wie ihre Romane, durch sprachliche Präzision und feine Lakonie. Mit einfachen Mitteln entlockt ihre Lyrik den Augenblicken des Alltags ihre poetische Kraft.
ENGLISH „I cannot believe this peace“
The multiple award-winning author Sabine Gruber reads from previously unpublished poems about the essence of life. Simple and at the same time highly artistic: Sabine Gruber’s poems, like her novels, are captivating with their linguistic precision and subtle lacony. Gruber elicits the poetic power of everyday moments.
Throughout the month of May 2021, 13 artists from Europe, the USA and the Middle East are showing 13 short videos.
Curator: Walter Kratner // Video-Design: Masoud Razavy Pour
pfingstART ONLINE // “13 ARTISTS – 13 SHORT VIDEOS“
FRANCESCA CATALDI (Italia)
DEUTSCH: „Auf der Suche nach der verlorenen Erinnerung“
Mit diesem Kurzfilm setzt Francesca Cataldi ihre Entdeckungsreise durch die Geschichte und durch die Materie der Kartographie mit handgeformten Objekten und gebrauchten Papieren fort. Die Künstlerin arbeitet hauptsächlich mit „armen“ Materialien wie Eisen, Glasfaser, Kupfer, Bitumen, Teer, Glas, Beton, Zellulose oder gefundenen Gegenständen.
ITALIANO: „Alla ricerca della memoria perduta“
Con questo cortometraggio Francesca Cataldi continua il viaggio esplorativo nella materia e nella storia della cartografia con le trame plasmate. L`artista lavora soprattutto con materiali poveri come ferro, vetroresina, rame, bitume, catrame, vetro, cemento, cellulose o oggetti trovati.
ENGLISH: „In search of lost menories“
With this short film, Francesca Cataldi continues her voyage of discovery through the history and the subject of cartography with hand-formed objects and used paper. The artist works mainly with “poor” materials such as iron, fiberglass, copper, bitumen, tar, glass, concrete, cellulose or found objects.
Throughout the month of May 2021, 13 artists from Europe, the USA and the Middle East are showing 13 short videos.
Curator: Walter Kratner // Video-Design: Masoud Razavy Pour
pfingstART ONLINE // “13 ARTISTS – 13 SHORT VIDEOS“
MARTA WASILEWSKA-FRĄGNOWSKA (Poland)
DEUTSCH: (…) „Meine Bilder sind zugleich mein Dialog mit dem, was sich neulich im Kontext „Frauenrechte“ in Polen ereignet hat.
Mit meiner Malerei, insbesondere mit dem neuen Zyklus, versuche ich mich daran zu gewöhnen und zu verstehen, dass die Welt voller Kontraste ist. Das kann sowohl schön und faszinierend sein, als auch voller Zweifel, Verachtung und Unverständnis.“ (…)
ENGLISH: (…) “My pictures are also my dialogue with what recently happened in Poland in the context of Women’s Rights.“
With my painting, especially with the new cycle, I try to get used to it and understand that the world is full of contrasts. It can be beautiful and fascinating as well as full of doubt, contempt and incomprehension. “ (…)
Throughout the month of May 2021, 13 artists from Europe, the USA and the Middle East are showing 13 short videos.
Curator: Walter Kratner // Video-Design: Masoud Razavy Pour
BEATE WITTMANN // ORF RADIO STEIERMARK // „Kulturzeit“ //
pfingstART 21_PODCAST // KURZFILME und AUSSTELLUNG
Throughout the month of May, 13 artists from Europe, the USA and the Middle East are showing 13 short videos. The digital space is supplemented from May 2nd by a large scale art-installation in the basilica on Weizberg for a temporary period of time.>> TO THE PROGRAM 2021
ARTISTS: Marta Wasilewska-Frągnowska (Polen); Francesca Cataldi (Italien); Sabine Gruber; Saeed Jafarian (Iran); Anna Drońska (Polen); Lydia Mischkulnig; Ishan Clemenco (USA); Gregory Edwards (USA); Barbi Marković; Christoph Urban; Walter Kratner; Kornelia Strahlhofer; Javid Ramezani (Iran); Igmar Jenner;
RONI HORN // Ein Blatt aus der Bildserie “LOG (March 22, 2019-May 17, 2020)”
Zeichnung (ca. 22x28cm)
2019 begann Roni Horn die Log-Bildserie über ihre Gefühle. Ungewollt wurde sie eine Hommage an Daniel Defoes Buch “A Journal of the Plague Year”, das 1722 in London erschien. Defoe berichtet darin von der Pest, als sie zum vierten Mal im 17. Jahrhundert die Stadt an der Themse heimsuchte. Vermutlich dienten Defoe die Aufzeichnungen seines Onkels, der die Pest hautnah miterlebt hat, als Grundlage. Es sollte die verheerendste Pest-Epidemie auf den Britischen Inseln seit der Mitte des 14. Jahrhunderts werden. London glich einem Hexenkessel. Quacksalber und Beutelschneider nutzten ungeachtet der puritanischen Sittenstrenge die Gunst der Stunde, um die Not der Menschen in klingende Münze zu verwandeln. Hysterischer Aberglaube, verheerende Arbeitslosigkeit, Lug und Trug waren die Begleiterscheinungen eines Massensterbens, dem rund 100.000 Menschen zum Opfer fielen.
Digital, Graphite, Oil on Paper, 40×30 cm each, 2020
Österreichisches Kulturforum, Belgrad // “At Second Glance / Auf den zweiten Blick / Na drugi pogled”
DEUTSCH: Das Triptychon „Der Makel“ basiert auf erkennungsdienstlichen Polizeifotos, die von Walter Kratner mit Graphit und Öl überarbeitet wurden und besonders eindringlich beklemmende gesellschaftspolitische Aspekte in den Vordergrund stellen.
Die Bilder zeigen, wie wir „andere“ sehen und zu welchen Klischees und Vorurteilen wir greifen, um „andere“ einordnen zu können. Handelt es sich bei den Abgebildeten um Mörder_innen, Unschuldige, Vergewaltiger oder eines Bagatellverbrechens Schuldige? Die Nationalität oder der kulturelle Hintergrund lässt sich nicht einmal auf den zweiten Blick vermuten. Die Fahndungsfotos stellen die verdächtigen Personen in genormter standardisierter Position dar, wie sie von Passfotos hinlänglich bekannt ist. Der individuelle Gesichtsausdruck bleibt trotzdem authentisch erhalten und lässt sich nicht vereinheitlichen oder abstempeln. Hier zwingt uns der Künstler, indem er das Foto mit Bleistift behutsam überarbeitet, genauer hinzusehen. Welchen Vergehens könnte sich der oder die Abgebildete schuldig gemacht haben? Welche Tragödien stecken oft hinter einer verbrecherischen Tat? Verzweiflung? Hass? Liebe? Gewalt? Alkohol oder Drogen? Menschliches Versagen? Oder gar ein Irrtum?
ENGLISH: The triptych „The Flaw“ is about police identification photos which have been retouched by Walter Kratner with graphite and oil and which emphasize particularly oppressive socio-political aspects.
The images show how we see „others“. Which cliches and prejudices we use in order to classify „others“? Are those portrayed murderers, innocents, rapists or are they guilty of a petty crime? The viewer has to admit that nationality or cultural background cannot even be guessed at second glance. The mug shots show the suspect person in a standardized position, which is well known to the viewer from passport photos. The individual facial expression is still authentically preserved and cannot be standardized or labeled. Reworking the photo-documents with the pencil in a very sensitive way the artist forces us to take a closer look. The viewer can ask himself: what crime could the person depicted have committed? What offense could the person depicted have been guilty of? What tragedies are often behind a criminal act? Despair? Hate? Love? Violence? Alcohol or drugs? Human error? Or even a mistake?
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AUSTRIJSKI KULTURNI FORUM über WALTER KRATNER // „Der Makel“
“NA DRUGI POGLED: MANA (1920)”
Triptih „Mana” austrijskog umetnika Valtera Kratnera (eng. The Flaw, digital, grafit, ulje na papiru, 40 x 30 cm, ovde: 3, 4. i 5. slika) sastoji se od identifikacionih fotografija koje je umetnik obradio grafitom i uljem, što ističe posebno opresivne društveno-političke aspekte
Deutsche Übersetzung:
Das Triptychon „Der Makel“ des österreichischen Künstlers Walter Kratner (The Flaw, digital, Graphit, Öl auf Papier, 40 x 30 cm / hier: Bilder 3, 4 und 5) besteht aus erkennungsdienstlichen Polizeifotos, die der Künstler mit Graphit und Öl überarbeitet hat und besonders beeindruckend gesellschaftspolitische Aspekte hervorhebt.
PROPERIZIA DE`ROSSI (1490 – 1530) // „Josef und die Frau des Potiphar“ (1525–26)
Flachrelief an der Westfassade der Basilika San Petronio, Bologna
Properzia de’Rossi wurde in Bologna als Tochter eines Notars namens Giovanni Martino Rossi da Modena geboren. Als Frau der Renaissance studierte sie Malerei, Musik, Tanz, Poesie und klassische Literatur an der Universität von Bologna, die seit der Gründung Frauen zum Studium zuließ. Außerdem erhielt sie eine Ausbildung beim Meistergraveur Marcantonio Raimondi.
De ‚Rossi war eine von etwa 40 Künstlerinnen, hauptsächlich Malerinnen, die der italienischen Renaissance zugerechnet werden. Bildhauerinnen waren besonders selten, denn die Bildhauerei galt eigentlich als männliche Domäne. Die „Vita“ der Poperzia de’ Rossi ist eine bemerkenswerte Ausnahme. Sie war eine von vier Frauen, die in Giorgio Vasaris „Leben der Künstler“ aufgenommen wurde, weil er ihre Biografie zu den bekanntesten „Künstlern“ der letzten Jahrhunderte zählte. Obwohl er ihre frühen detailreichen Klein-Skulpturen aus Pfirsich- und Kirschsteinen als „wunderbar“ bezeichnete, war sein Kommentar zu de’Rossis Werk klar: Bildhauerei ist keine Kunstform, die Frauen versuchen sollten. Vasaris Behauptung ist wahrscheinlich auf seinen apokryphen (quasibiblischen) Glauben zurückzuführen, dass Frauen dazu neigten, von Melancholie überwältigt und behindert zu sein und ihrer „romantischen, weiblichen“ Natur nicht entkommen zu können.
Um die dreißig Jahre alt, bekam Properzia de’ Rossi die Möglichkeit im größeren Maßstab zu arbeiten. Durch ihre sorgfältig gearbeiteten Porträtbüsten aus Marmor konnte sie gegen männliche Konkurrenten öffentliche Aufträge erlangen, darunter auch den für den Hochaltar von Santa Maria del Baraccano in Bologna. Auch die Westfassade der Basilika San Petronio wurde von ihr gestaltet, Hier befindet sich eine ihrer bekanntesten Reliefskulpturen: „Josef und Potiphars Frau“ (1525–26). Das Thema der Flucht Josephs vor seiner Verführerin war am Beginn der Gegenreformation ein wichtiges Thema und vermittelte die Gefahren der Unmoral, die mit der weiblichen Natur verbunden sind. Hier zeigt de’ Rossi die künstlerische Fähigkeit, Heldenfiguren in einem breiten und dynamischen Stil zu arrangieren, der für die Reliefskulptur der italienischen Renaissance charakteristisch ist.
De ‚Rossis Leben wurde als turbulent beschrieben. Darüber hinaus ist wenig über ihr Leben und ihre künstlerische Leistung nach ihrem Petronio-Relief bekannt. Es gibt jedoch Unterlagen über Schulden bei einem Krankenhaus, in dem sie als Opfer der Pest im Jahr 1529 behandelt wurde. Das erklärt vielleicht das Ausbleiben weiterer Werke. Während de ‚Rossi wichtige Aufträge in ihrem Leben gewann, starb sie, bevor sie vierzig wurde, bankrott und ohne nahe Verwandte oder Freunde.
Über das Leben der zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Haarlem geborenen Sara van Baalbergen, ist wenig bekannt. Als gesichert gilt, dass sie 1631 in die St.-Lukas-Malergilde in Haarlem aufgenommen wurde, der bis dahin nur Männer angehörten. Insgesamt sind nur drei niederländische Künstlerinnen als Zunftmitglieder bekannt. Sie mussten einen sehr strengen Zulassungstest bestehen. Juden wurden kategorisch von jeder Gilde ausgeschlossen.
Van Ballbergen war in der Zeit von 1634 bis 1638 als Zunftmitglied registriert, was bedeutet, dass sie als offizielle Künstlerin anerkannt war und bereits öffentlichen Ruhm genoss. 1634 heiratete sie den Genremaler Barent van Eysen, dessen Biografie ebenfalls unklar ist. 1638, nach dem Tod ihres Ehemannes, verliert sich die Spur von Sara van Baalbergen. Werke sind nicht überliefert.
Die Zuordnung ihrer Werke ist deshalb schwierig, weil sie nach der Heirat mit ihrem Ehemann zusammengearbeitet hat, der die verschiedenen Werke allerdings selbst signierte. Es scheint, dass Sara van Baalbergen auf Stillleben spezialisier war. Ihre Blumenkompositionen, als auch Kompositionen mit verschiedenen Gegenständen, scheinen an die Lehren des Vincente van der Vinne (1628–1702)angelehnt gewesen zu sein. (SIEHE BILD-BEISPIEL, AUSSCHNITT / Van der Vinne zugeschrieben)