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#10

HELENA HUNEKE  (1967 – 2012) // „Voyeuse“  (1995)

Helena Huneke war Ende der 1990er Jahre Teil der Hamburger Akademie Isotrop. Dieser alternativen Kunstakademie gehörten viele namhafte Künstler, wie auch Jonathan Meese an. Dort entstand eine Ästhetik, die den Prozess, die nicht das Gemachte, sondern das Machen zum Sprechen bringen will.

Es sind diese kleinen, in der Form selbst schon ephemeren Exponate, die davon erzählen, wie eng Huneke ihr Leben mit ihrer Kunst verwob.

Hunekes künstlerischem Denken lag zudem eine Abneigung gegenüber allem Statischen, Abgeschlossenem und Eindimensionalem zugrunde. So suchte sie etwa die Elemente und Motive ihres Werkes nicht in einen endgültigen Zustand zu überführen, sondern kombinierte und arrangierte diese zu immer neuen Gesamtkonstellationen.

„Voyeuse“ heißt ein Objekt von 1995, ein modifizierter Stuhl, der jetzt in Lüneburg steht und wirkt, als habe sich seine Lehne an der Stelle zum Gewächs verselbstständigt, wo sie eine Holzkonstruktion aus kurzen per Gelenk verbundenen Lattenstücken ersetzt. Mit angestoßenen Beinen und zerrissenem Sitzpolster erscheint der Stuhl auch mehr malträtiert als bearbeitet – als sei mit ihm nicht etwas vollendet, sondern angegriffen worden. Eine Ästhetik, die noch einmal aufs Ganze, nämlich auf die Grenzlinie zwischen Kunst und Leben zielt.

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#9

JOYCE PENSATO (1941 – 2019) // „Flying home“ (2010)

Kohle auf Papier, 50 x 40,6 cm

Albertina, Wien // bis 26. Januar 2020

Joyce Pensato vermählte die Comic-Helden unserer Kindheit mit den Gesten des abstrakten Expressionismus. Sie ist lange Zeit sozusagen zwei verschiedene Künstlerinnen in einer Person gewesen: eine, die abstrakte, große Gemälde malte, und eine, die Comics zeichnete. Bis sie Ende der 80er mit ihrer Malerei in eine künstlerische Sackgasse geriet und deswegen beschloss, nur noch das zu machen, worin sie wirklich gut war – die Cartoonzeichnungen.

Joyce bezieht sich auf die amerikanischen Cartoons, Ikonen der Pop Kultur, auf die auch die pop art verweist. Jedoch zerstört sie den schönen Schein und bricht die Oberfläche schonungslos auf.

Pensato radiert, sie durchnässt das Papier, malträtiert es mit einem Elektroschleifer, bis Löcher und Risse entstehen. Verzweiflung, Wut, Enttäuschung, Apathie oder Irrsinn lassen sich deutlich im Gesicht der stets positiv besetzeten Mickey Maus ablesen.

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#8

MARTIAL LEITER // „Passante“ (2012)

Tinte auf Papier, 11cm x 13 cm

Mit Pinsel und Tusch, in Schwarzweiß, mit großzügiger Geste oder in feiner Ziselierung, mit Kaltnadel und Radierung vertieft Martial Leiter – geprägt und geformt von der ausdrucksstarken Tradition der chinesischen Maler der Song-Dynastie (960 – 1279) – die allumfassende Schönheit angedeuteter Naturphänomene als weites Feld existentieller Fragen.

Die Themen sind vielfältig, aus der sinnbildhaften Leere des Raums heraus entstandene Geschichten: Die Unermesslichkeit des Berges, präzise in der Wirkung, feinstimmig in den Nuancen und Kontrasten erhebt sich in ihrer absoluten Erhabenheit zum Gegenort zur heutigen Zeit. Der allegorischen Körperhaftigkeit einfacher Lebewesen wie Vögel, Insekten, Fliegen, verleiht Martial Leiter mit Feder und Tusche eine überraschende Unmittelbarkeit des universell Kreatürlichen.

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#7

JOSEF BAUER (*1934) // „ Soldatenserie“ (2011)

SW-Foto mit Pinsel

Belvedere 21, Wien // Bis 12. Januar 2020  // Danach Lentos, Linz

Josef Bauer ist eine visionäre, im internationalen Kunstgeschehen bisher kaum wahrgenommene Position. Bauer gehört zu den wesentlichen Protagonisten der konzeptuellen Kunst in Österreich seit den 1960er-Jahren. Bereits als Kind mit den Verbrechen des NS-Regimes konfrontiert – auf dem Grundstück seiner Familie wird ein Nebenlager von Mauthausen errichtet -, verarbeitet er diese Erfahrungen schon in seinen ersten Bildern.

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#6

EVA GRUBINGER // „ MALADY OF THE INFINITE”

Belvedere 21, Wien  // bis 13. April 2020

Das Cockpit-Chassis ragt in die Luft, der Rumpf steht bereits unter Wasser. Trotzdem dominiert die Superjacht den Raum. Sie wird nur von mehreren Minen in Schach gehalten, die sich aus dem Boden erheben, als würden sie an der Meeresoberfläche treiben. Das künstlerische Markenzeichen von Eva Grubinger ist die Verfremdung und Aktivierung von Objekten mittels Vergrößerung, die Materialänderung und  Reduktion. Mit diesen bildhauerischen Stilmitteln schafft die Künstlerin auch hier eine skulpturale Szene, die poetische Leichtigkeit mit politischer Brisanz verbindet.

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#5

JACKIE WINSOR //„Chunk Piece“ (1970)

Jacqueline „Jackie“ Winsor (*1941) ist eine kanadisch-amerikanische Bildhauerin. Ihr Stil, der sich in den frühen 1970er Jahren als Reaktion auf das Schaffen minimalistischer Künstler entwickelte, wurde als Post-Minimal-, Anti-Form- und Prozesskunst charakterisiert. Winsors Skulpturen aus dieser Zeit, die von ihrer eigenen persönlichen Geschichte geprägt sind, stehen an der Schnittstelle zwischen Minimalismus und Feminismus.

©Moma 2019

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#4

WALTER PICHLER (1936 – 2012) // „Alte Figur“ (1960 – 1963)

Oberes Belvedere Wien // bis 9. Februar 2020

In „Alte Figur“ manifestiert sich Walter Pichlers elementares Kunstverständnis. Stoizismus, technische Präzision und Präsentation lassen an archaische Artefakten denken. Die unmittelbare Verbindung von Leben und Werk ist im Schaffen des Künstlers zentral. Pichler stellte, setzte oder legte seine „Alte Figur“ auf ein Matratzenlager, das zugleich Sockel, Wohnstatt und Thron ist. Mit „Alte Figur“ nahm Pichler das Hauptthema seiner späteren Arbeit vorweg, Raum, Skulptur, Material und Zeit als Einklang zu konzipieren.

Walter Pichler // „Ohne Titel“ (Alte Figur, oder Frau aus Metall)

Bleistift auf Papier // 30,7 x 43,3 cm

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#3

WALTER KRATNER // Aus dem  Bildzyklus „Der Makel“

Öl auf Graphit auf Papier auf Fotografie (40x30cm) // Zurzeit: >> Galerie Reitbauer (Birkfeld, Stmk., Österreich)

MEHR:

Zur Ausstellung „Partituren“ | Kleine Zeitung | >> Video | >> Einführungstext von Prof. Edith Temmel | pfingstART BLOG #66

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SIEHE AUCH:

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 66 (The Trap) | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

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#2

CEIJA STOJKA  (1933 – 2013) // „Mama wach auf. 1944“

Zurzeit: Museo Reina Sofia, Madrid // bis 23. März 2020

Ihre Werke dokumentieren die Verfolgung der Sinti und Roma während des Zweiten Weltkriegs. „Es sind Bilder aus der Perspektive eines Kindes, das in Wirklichkeit eine erwachsene Frau ist, die sich an ihr Leben in einem Konzentrationslager erinnert. Aus dem Blickwinkel des kleinen Mädchens werden die Stiefel der Soldaten riesig groß und die Hunde zur Bedrohung.“ (Zit.: Manuel Broja-Villel)

Siehe auch:

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#1

FRANZ GERTSCH // „Schwarzwasser“ (Triptychon, 1991-1992)

Holzschnitt, 238cm x 562cm (gesamt) // Japanpapier (handgeschöpft, 3-teilig)

Franz Gertsch zieht keine souveränen Linien, schneidet weder Kurven noch Geraden in die Platte, lässt keine kunstvoll gebogenen Grate stehen. Er sticht Punkte aus und setzt tausende von unscheinbaren Kerben.

„Gertsch hat damit einen neuen Zugang zur Wirklichkeit erreicht. Er sucht das Charakteristische, Wesenhafte, Allgemeingültige eines Motivs ohne Bindung an einen konkreten Ort und eine spezifische Zeit. (Zit.:  Klaus Albrecht Schröder, Albertina)

Aus:  Sammlung Willy Michel, Museum in Burgdorf

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