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#16

JASPER JOHNS // “Flags 1” (1973)

Siebdruck auf Papier, 69.9 × 90 cm

National Gallery of Art, Washington, D. C.

Die Verunsicherung, die von Johns-Bildern ausgeht, muss von Anfang an stark gewesen sein, ebenso stark aber ihre Faszination. Als Robert Rauschenberg, damals Ateliernachbar von Johns, 1957 den Galeristen Leo Castelli in das Atelier seines Kollegen führte, empfand der Besucher die Werk-Kollektion aus Fahnen- und Zielscheiben-Bildern, auch gemalten Ziffern und Alphabeten, als „das Unglaublichste, das ich im Leben gesehen habe“.

Fast nebenbei wird er so zum Wegbereiter der Pop-Art. Eine patriotische Aussage seien die Fahnen nie gewesen, stellt der Künstler später klar. Nur praktisch. „Ich musste das Motiv nicht mehr entwerfen.“

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#15

ALBRECHT DÜRER (1471 – 1528) // „Landschaft mit Kanone“ (1518)

Eisenradierung; Büttenpapier (rohweiß); Höhe-Blatt: 22,3 cm; Breite-Blatt: 32,3 cm; Höhe-Platte: 22,1 cm; Breite-Platte: 32,3 cm;

Zurzeit: Albertina Wien

Die großformatige Eisenradierung ist vor allem eine eindrucksvolle Landschaftsdarstellung. Im Vordergrund bildet Dürer eine kuriose Szene ab, die eine Begegnung zwischen Orient und Okzident darstellt.

Die Artillerie hatte seit der ersten großen Nutzung in den Hussitenkriegen (1419-1436) und durch Sultan Muhammad II vor Konstantinopel 1453 v.a. an Beweglichkeit der Feldgeschütze und durch die Herstellung von geschmiedeten glatten Eisenrohren variablen Geschossen gewonnen. Mit so genannten Kartätschen also Büchsen, die mit Kugeln, gehacktem Blei, Eisen, Nägeln u. Ä. gefüllt waren, konnten mit einem einzigen Schuss mehr als 20 Mann getötet werden. Das gezeigte Modell war um 1518 schon veraltet und könnte aus dem Nürnberger Zeughaus stammen, um die Wehrhaftigkeit zum Ausdruck zu bringen. Im Vordergrund begegnen sich osteuropäische Honoratioren mit Kopfbedeckungen, die an osmanische oder ungarische Herkunft gemahnen und das Geschoss offensichtlich beurteilen. Eher nachdenklich ist hier der Hinweis auf mögliche Kriege der friedlichen Landschaft entgegengestellt.

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#14

ROBERT LONGO // “Study for Bombing Baghdad” (2007)

Centre Pompidou // Sammlung Guerlan

Tinte und Kohle auf Velin, 40 x 52 cm

Robert Longo ist ein Maler der Chiaroscuro-Technik, in der ein extremer Kontrast von Licht und Dunkelheit für intensive Emotionen steht. Für seinen Zeichenprozess projiziert er oft ein vergrößertes Foto und arbeitet dann feine Details ein. Trotz dieser fotografischen Grundlage wirkt seine Arbeit bei näherer Betrachtung beinahe abstrakt.

Es geht dem Künstler nicht um den Ausdruck eines individuellen Gefühls, sondern um das Aufzeigen von gesellschaftspolitischen Zusammenhängen und Machtgefügen.

Seit 9/11 und mit Beginn des Irak-Krieges wird dies in seiner Motivauswahl noch deutlicher. Longo fing damit an, die ungeheure Gewalt von Bomben in seinen Zeichnungen auszudrücken. Zuerst stellte er Pilzwolken nach Atombombenexplosionen dar, die in ihrer trügerischen Schönheit Naturphänomene gleichen. Später waren es Zeichnungen, die die Bombardierung von Städten zum Thema haben

Mit seiner Darstellung des Kapitols und der amerikanischen Flagge, widmet er sich nationalen Symbolen, die als solche stark polarisieren.

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#13

Lucio Fontana, Pirelli Hangar Bicocca, Milano, 2017

LUCIO FONTANA  (1899 – 1968) // „Ambiente spaziale con neon“ (1967)

Zurzeit: Hauser und Wirth, Los Angeles

Die “Ambienti spaziali” sind Räume oder Gänge, die Lucio Fontana bereits ab Ende der 1940er Jahre realisierte. Nach Ende der jeweiligen Ausstellungen wurden sie meistens zerstört. Es sind die experimentellsten, aber wegen ihres ephemeren Charakters die am wenigsten bekannten Arbeiten, die zur Weiterentwicklung der Conceptual Art führten.  Einige Räume wurden, zum ersten Mal seit dem Tod des Künstlers, von der „Fondazione Lucio Fontana“ rekonstruiert.

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#12

WERKBUCH 5 // “Fremdes Brot” (1999) // Hipp-Halle, Gmunden, Österreich

Video, Videografik: Masoud Razavy Pour // Scan: Harald Polt

“Solid plates of iron are perfectly situated in the ancient huge hall of this historical building. The archaic construction of the building, offset by massive fastenings with hemp ropes and sickles, suggests the principles of war, concurrent with the one now raging in Kosovo. The terrible balance between the elemental forces at work in this installation threaten the viewer with a sense that a breakdown can occur at any and every moment.” (Pressrelease, Exploratorium, San Francisco)

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>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | WERKBUCH Gesamte Playlist

>> Deutsche Beschreibung, Salzkammergut Zeitung

>> ORF // Landesstudio Oberösterreich (1999)

>> SIEHE AUCH: WALTER KRATNER | >> BLOG 66 (The Trap) | >> BLOG 45 (Hunger is the best source“ | >> BLOG 43 („Lampedusa 2 / Fragment“) | >> BLOG 39 („Celan“) | >> BLOG 35 („Broken Book 3“) | >> BLOG 34 (Werkbuch 6) | >> BLOG 30 („Nach der Jagd“) | >> BLOG 22 („Bagdad, 12. Juli, 2007“) | >> BLOG 12 („Werkbuch 5) | >> BLOG 3 („Der Makel“) | >> BLOG 2 („Ceija Stojka, Porajmos“)

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#11

KÄTHE KOLLWITZ (1867-1945) // „Frau mit totem Kind“ (1903)

Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel und Vernis mou mit Durchdruck von Büttenpapier und Umdruckpapier, mit goldfarbenem, gespritztem Tonstein.

(Bildmaße: 42,2 cm x 48,6 cm)

Das dargestellte Kind ist der jüngste Sohn Peter Kollwitz im Alter von 7 Jahren. 1914 war ihr Sohn Peter in der Ersten Flandernschlacht gefallen. Dieser Verlust brachte sie in Kontakt mit dem Pazifismus und mit der sozialistischen Bewegung. Ihrer Meinung nach hat Kunst die Aufgabe, die sozialen Bedingungen darzustellen.

Im Zuge ihrer Arbeit am sechsten Blatt des Bauernkriegszyklus‘ entwickelt Käthe Kollwitz in mehreren Zeichnungen zu »Frau mit totem Kind« eine Arbeit, die sie schließlich nicht für den Zyklus verwendet, sondern in Form der Farblithographie »Pietà« und dieser Radierung als Einzelblätter veröffentlicht. Beide gehören zu den eindringlichsten Bildschöpfungen der Künstlerin.

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#10

HELENA HUNEKE  (1967 – 2012) // „Voyeuse“  (1995)

Helena Huneke war Ende der 1990er Jahre Teil der Hamburger Akademie Isotrop. Dieser alternativen Kunstakademie gehörten viele namhafte Künstler, wie auch Jonathan Meese an. Dort entstand eine Ästhetik, die den Prozess, die nicht das Gemachte, sondern das Machen zum Sprechen bringen will.

Es sind diese kleinen, in der Form selbst schon ephemeren Exponate, die davon erzählen, wie eng Huneke ihr Leben mit ihrer Kunst verwob.

Hunekes künstlerischem Denken lag zudem eine Abneigung gegenüber allem Statischen, Abgeschlossenem und Eindimensionalem zugrunde. So suchte sie etwa die Elemente und Motive ihres Werkes nicht in einen endgültigen Zustand zu überführen, sondern kombinierte und arrangierte diese zu immer neuen Gesamtkonstellationen.

„Voyeuse“ heißt ein Objekt von 1995, ein modifizierter Stuhl, der jetzt in Lüneburg steht und wirkt, als habe sich seine Lehne an der Stelle zum Gewächs verselbstständigt, wo sie eine Holzkonstruktion aus kurzen per Gelenk verbundenen Lattenstücken ersetzt. Mit angestoßenen Beinen und zerrissenem Sitzpolster erscheint der Stuhl auch mehr malträtiert als bearbeitet – als sei mit ihm nicht etwas vollendet, sondern angegriffen worden. Eine Ästhetik, die noch einmal aufs Ganze, nämlich auf die Grenzlinie zwischen Kunst und Leben zielt.

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#9

JOYCE PENSATO (1941 – 2019) // „Flying home“ (2010)

Kohle auf Papier, 50 x 40,6 cm

Albertina, Wien // bis 26. Januar 2020

Joyce Pensato vermählte die Comic-Helden unserer Kindheit mit den Gesten des abstrakten Expressionismus. Sie ist lange Zeit sozusagen zwei verschiedene Künstlerinnen in einer Person gewesen: eine, die abstrakte, große Gemälde malte, und eine, die Comics zeichnete. Bis sie Ende der 80er mit ihrer Malerei in eine künstlerische Sackgasse geriet und deswegen beschloss, nur noch das zu machen, worin sie wirklich gut war – die Cartoonzeichnungen.

Joyce bezieht sich auf die amerikanischen Cartoons, Ikonen der Pop Kultur, auf die auch die pop art verweist. Jedoch zerstört sie den schönen Schein und bricht die Oberfläche schonungslos auf.

Pensato radiert, sie durchnässt das Papier, malträtiert es mit einem Elektroschleifer, bis Löcher und Risse entstehen. Verzweiflung, Wut, Enttäuschung, Apathie oder Irrsinn lassen sich deutlich im Gesicht der stets positiv besetzeten Mickey Maus ablesen.

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#8

MARTIAL LEITER // „Passante“ (2012)

Tinte auf Papier, 11cm x 13 cm

Mit Pinsel und Tusch, in Schwarzweiß, mit großzügiger Geste oder in feiner Ziselierung, mit Kaltnadel und Radierung vertieft Martial Leiter – geprägt und geformt von der ausdrucksstarken Tradition der chinesischen Maler der Song-Dynastie (960 – 1279) – die allumfassende Schönheit angedeuteter Naturphänomene als weites Feld existentieller Fragen.

Die Themen sind vielfältig, aus der sinnbildhaften Leere des Raums heraus entstandene Geschichten: Die Unermesslichkeit des Berges, präzise in der Wirkung, feinstimmig in den Nuancen und Kontrasten erhebt sich in ihrer absoluten Erhabenheit zum Gegenort zur heutigen Zeit. Der allegorischen Körperhaftigkeit einfacher Lebewesen wie Vögel, Insekten, Fliegen, verleiht Martial Leiter mit Feder und Tusche eine überraschende Unmittelbarkeit des universell Kreatürlichen.

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#7

JOSEF BAUER (*1934) // „ Soldatenserie“ (2011)

SW-Foto mit Pinsel

Belvedere 21, Wien // Bis 12. Januar 2020  // Danach Lentos, Linz

Josef Bauer ist eine visionäre, im internationalen Kunstgeschehen bisher kaum wahrgenommene Position. Bauer gehört zu den wesentlichen Protagonisten der konzeptuellen Kunst in Österreich seit den 1960er-Jahren. Bereits als Kind mit den Verbrechen des NS-Regimes konfrontiert – auf dem Grundstück seiner Familie wird ein Nebenlager von Mauthausen errichtet -, verarbeitet er diese Erfahrungen schon in seinen ersten Bildern.

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